AQUACENTRUM

Heilwasser

Anton K.: Woher weiß ich, welche Mineralien im regionalen Leitungswasser in welcher Konzentration überhaupt vorhanden sind und ob diese überhaupt einem „gesunden Wasser“ entsprechen?

Ich habe Ihre Frage nach „gesundem Wasser“ jetzt mal unter dem Begriff „Heilwasser“ einsortiert. Denn grundsätzlich dürfen eigentlich nirgendwo gesundheitsbezogene Aussagen zu Wasser gemacht werden, es sei denn, es handelt sich um eines der rund 35 staatlich anerkannten „Heilwässer“ in Deutschland, die durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen wurden. Komischerweise werden diese arzneimittelrechtlich protegierten Wässer inkl. Heilaussagen im normalen Getränkehandel ohne Fachberatung verkauft. Den Arzt und Apotheker ersetzt dann das Flaschenetikett mit folgenden Angaben:

  • Name des Heilwassers und Anschrift des Heilbrunnenbetriebs
  • Amtliche Zulassungsnummer
  • Chargenbezeichnung
  • Analyseauszug mit wirksamen Bestandteilen
  • Anwendungsgebiete
  • Gegenanzeigen
  • Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (falls vorhanden)
  • Trinkmengenempfehlung

Der Lobbyverband „Deutsche Heilbrunnen“ ( www.heilwasser.com ) spricht neuerdings von einem „functional drink“. Und man staunt, was dort alles an Heilaussagen dargeboten wird, die im Zusammenhang mit Wasserwerbung wohl in der ganzen übrigen Welt verboten wären:

 

  • Magnesium kann Depressionen verhindern. Eine Übersicht über Studien zu Magnesium und Depressionen mit deutscher Zusammenfassung sowie Links zu den Originalarbeiten finden Sie unter http://www.heilwasser. com/index.php?idcatside=210
  • Eine geradezu dreist manipulative Tabelle zeigt dann den Magnesiumgehalt. Da wird 1 kg (1 Liter) Heilwasser mit jeweils 100 g Nahrung verglichen!

Magnesiumgehalt

Kontrollierte Standardparameter

Kin Deutschland eine eigene Verordnung, deren Grenzwerte erheblich großzügiger bemessen sind als die in der Trinkwasserverordnung, die nicht nur für Leitungswasser, sondern auch für „Tafelwasser“ gilt.

Meiner Meinung nach bedarf die gesamte Systematik einer grundsätzlichen Neuausrichtung vor dem Hintergrund der neueren Wasserforschung.

Da aber derzeit nicht einmal zwischen der WHO und der EU, oder zwischen der EU und einzelnen Mitgliedsstaaten Einigkeit über die Bewertung einzelner Parameter herrscht, ist kaum damit zu rechnen, dass sich die etablierten Strukturen verbessern lassen.

Weder das Redoxpotential noch der Anteil an gelöstem Wasserstoff gehören zu den kontrollierten Standardparametern.

Diese Parameter, die so etwas wie die „Bioparameter von Wasser“ sind, werden bei der Bewertung der Trinkbarkeit von Wasser gar nicht erhoben, da sie sich viel zu schnell verändern, um für einen Wasserversorger oder Getränkehersteller relevant zu sein.

Dennoch kann man straflos „Bio-Kristallwasser“ und sogar „Lebendiges Wasser“ verkaufen, obwohl sich in dessen Biosphäre keine Bakterien oder sonstigen Lebewesen tummeln.

Jeder Trinkwasserversorger stellt aufgrund gesetzlicher Vorgaben den Verbauchern eine umfassende Trinkwasseranalyse zur Verfügung, die auch den Gehalt an Mineralien ausweist. Der Trinkwasserversorger muss ferner dafür Sorge tragen, dass keiner der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung überschritten wird. Dadurch wird nach wissenschaftlichen Kriterien erwiesen, dass ein Trinkwasser nicht der Gesundheit schadet, wenn man täglich lebenslänglich trinkt.

Dass dieses Wasser gesund ist, ergibt sich dadurch nicht. Denn darüber gibt es keine anerkannte wissenschaftliche Sichtweise, außer, dass das Wasser keine Schadstoffe oberhalb von Grenzwerten enthalten sollte.

Auch Heilwässer dürfen nicht als generell gesund bezeichnet werden. Jedes anerkannte Heilwasser wirkt nur bei bestimmten Indikationen positiv. Es gilt zum Beispiel in Deutschland als Arzneimittel und kann daher auch Kontraindikationen und Nebenwirkungen haben. Seit 1742 gibt es das Heilwasser von „Staatlich Fachingen“. In Werbeaussagen wird es heute als „ältestes functional food der Welt“ gefeiert. (Quelle: Christian Skywottek https://www.brandeins.de/archiv/2005/hilfe/das-grosse-schlucken/ ). Aber für die Verkaufsstrategen war das Heilwasser ein Hemmschuh. Denn welcher junge gesunde Mensch möchte so etwas auf einer Party trinken? Also erfand der Brunnen eine neue Marke, indem er Kohlensäure hineinpumpte, und das ganze „Medium“ nannte. Nun sprudelt auch wieder Geld in die Firmenkasse.
Noch völlig ungeklärt ist die Frage, wie mit modernen Wasserprodukten umzugehen ist, die man vielleicht besser unter dem Oberbegriff „Designerwasser“ bezeichnen sollte als dem technisch anmutenden Begriff „Funktionswasser“, der heute dafür üblich ist.
Das bekannteste Designerwasser deutscher Herkunft dürfte Active O ® sein, das die oberbayerischen Klosterschwestern aus Bad Adelholzen auf den Markt brachten. Durch die Anreicherung mit Sauerstoff steigerten sie den Umsatz ihres Mineralwassers innerhalb von 2 Jahren um 70 Millionen Flaschen.
Die meisten Funktionswasser-Ideen stammen aus den USA, Frankreich und Großbritannien, neuerdings auch aus Japan, wie ich auf S. 79 dargestellt habe.

Manches hat dabei einen wissenschaftlichen Hintergrund, anderes beruht auf pfiffigen Werbeideen. So bietet die Kaffeehauskette ein „Ethos Water“ an, das jede verkaufte Flasche mit einer 5-Cent-Spende für die Wasserversorgung der dritten Welt verbindet.

In Japan ist es besonders krass. Da arbeitet Coca Cola mit dem Parfumhersteller Shiseido zusammen und hat ein „Body-Style-Water“ mit angeblich fettreduzierenden Aromen kreiert. Da stößt man schnell an die Grenzen dessen, was noch Wasser ist, und was ein Gebräu. Zusätze von Tee, Kräutern oder Vitaminen und Geschmacksstoffen verwässern den Begriff von Wasser immer mehr.

Gerolsteiner spielt mit der Idee saisonaler Wässer, St. Leonhard füllt bei Vollmond ab. In der Branche gibt es längst den scheinbar absurden Begriff „Near water-Wasser“.
Auch das Konsumentenverhalten ändert sich. Die klassischen „Sprudel“ sind auf dem Rückzug (Skywottek, a.a.O.): „Die stärksten Zuwachsraten beim Absatz verzeichnen die stillen Wässer ohne Kohlensäure, zu Lasten der traditionellen deutschen Wässer mit viel Kohlensäure. Stille Wässer aber sind seit Jahren Sache der französischen Marken Volvic, Vittel und Evian, die multinationalen Konzernen wie Nestlé und Danone gehören. Volvic besetzt mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent Platz zwei auf dem deutschen Gesamt-Wasser-Markt von rund 9,3 Milliarden Litern, Vittel schafft mit mehr als drei Prozent Platz vier.“ Wenn solche Global Player mitmischen, sind regional gebundene Brunnenprodukte unter hohem Konkurrenzdruck. Das führt auch allmählich zum Aussterben der traditionellen Pfandflaschen aus Glas, da sich ein Transport von Wasser in Glasflaschen ab 100 km Entfernung nicht mehr zu rechnen scheint.

Auszug aus dem Buch von Karl Heinz Asenbaum: „Elektroaktiviertes Wasser – Eine Erfindung mit außergewöhnlichem Potential. Wasserionisierer von A – Z“
Copyright 2016 www.euromultimedia.de

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Alle Cookies zulassen:
    Jedes Cookie wie z.B. Tracking- und Analytische-Cookies.
  • Nur First-Party-Cookies zulassen:
    Nur Cookies von dieser Webseite.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: AGB. AGB

Zurück