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Ist die hexagonale Struktur von Wasser messbar bzw. mikroskopisch belegbar?

  1. Ist die hexagonale Struktur von Wasser aus einem Wasseronisierer messbar bzw. mikroskopisch belegbar?

  2. Wenn Wasser eine hexagonale Struktur aufweist, bedeutet das dann stets auch, dass dieses wasser auch „informiert“ ist ? Oder kann es sein, dass man ein Hexawasser hat, welches NUR diese hexagonale Struktur aufweist aber NICHT „informiert“ ist.

  3. Kann man Wasser mit einer hexagonalen struktur auch NEGATIV also mit „bösen“ informationen behaften/informieren oder ist die hexagonale Struktur nur für die GUTEN/POSITIVEN informationen „reserviert“ ?

Karl Heinz Asenbaum | Messbarkeit von hexagonales Wasser, Struktur, Informationen, EZ-Wasser nach Gerald Pollack

Zu 1.

Die gute Nachricht für alle Esoteriker zuerst: Sowohl mikroskopisch als auch mithilfe von Magnetresonanzuntersuchungen kann man hexagonale, also sechseckige Wassermolekül-Cluster in Wasser aus einem Wasserionisierer nachweisen. (Siehe hierzu die Studien unten in diesem Beitrag.)

Die beiden schlechten Nachrichten: Diese sind nur Abbildungen eines Augenblicks und sie stellen nie das gesamte Wasser dar. Ersteres liegt daran, dass selbst tief gefrorenes Wasser neben den typischen hexagonalen Eiskristallen auch noch größere und kleinere Cluster besitzt, die in ständiger Veränderung begriffen sind.

Letzteres wird in dem Buch von Gerald Pollack „Wasser – Viel mehr als H2O“ anhand vieler Untersuchungen gezeigt. Pollack unterscheidet im Bereich von flüssigem, also nicht gefrorenem Wasser zwischen „Bulk“-Wasser (also der Hauptmenge einer Wasserprobe) und EZ-Wasser (Exklusionszonen-Wasser), bei dem er eine hexagonale Struktur nachgewiesen hat, die sich in manchen Punkten von der von Eiskristallen unterscheidet.

Aus dieser EZ-Struktur wird alles, was nicht reines Wasser (H2O) ist, nach unten ins Bulk-Wasser ausgesondert – dies sind vor allem Ionen – um eine reine, dünne, dem Eis ähnliche kristalline Hexagonalstruktur zu bilden. Dieses EZ-Wasser bezieht sich auf sehr dünne Grenzflächen zu hydrophilen (Wasser nicht abstoßenden) Stoffen.

EZ Wasser ist also ein Rand-Phänomen, wie an unserem Körper die Haut. Es handelt sich um ein Interface-Phänomen von Wasser, das ich gerne mit folgendem Beispiel illustriere:

Normalerweise hat Wasser eine Oberfläche, die es zur Atmosphäre abgrenzt. Die Atmosphäre nimmt Wasser auf, ist also hydrophil. Wenn ich nun Wasser abstoßendes (hydrophobes) Öl auf die Wasseroberfläche gieße, bilden sich an dieser Stelle keine hexagonalen EZ-Zonen. Innerhalb von natürlichem Wasser gibt es aber weitere EZ-Zonen. Denn natürliches Wasser ist auch ein Lösungsmittel für hydrophile Substanzen, wie zum Beispiel die Kationen von Mineralien wie Natrium, Calcium, Magnesium, etc.

Um diese Kationen herum bilden sich ebenfalls hexagonal strukturierte Zonen, mit denen das Wasser sich sozusagen von den gelösten Stoffen abgrenzt. Je nach Menge der gelösten Mineralien gibt es also auch an diesen inneren Grenzlinien hexagonale Strukturen:

Im toten Meer sind davon aufgrund des höheren Salzgehalts deutlich mehr vorhanden als im mineralarmen Volvic Wasser.

Grundsätzlich, und die Hauptmasse (Bulk) des flüssigen Wassers betreffend, folgt die Bildung von Wasserclustern neben den Einflüssen von Schwerkraft und Bewegungsdynamik aber einer sehr einfachen Regel:

Je wärmer das Wasser ist, desto größer wird die durchschnittliche Clustergröße, bis sich alle Cluster über dem Siedepunkt auflösen. Aus Wasserdampf destilliertes Wasser enthält nichts anderes als Wassermoleküle. Ob diese hexagonal, kleiner oder größer strukturiert sind, hängt in erster Linie von der Temperatur ab. Grundsätzlich ist es aber immer ein Gemisch von Strukturen. Je heißer das Wasser aber ist, desto weniger hexagonale Strukturen gibt es darin.

Zu 2:

Sobald wir von Struktur sprechen, beinhaltet dies auch die Möglichkeit einer Informationsspeicherung, von der beim Wasser unter dem Schlagwort „Wassergedächtnis“ gesprochen wird. Dies gilt insbesondere, wenn sich diese Struktur stabil halten lässt, was der Fall ist, wenn flüssiges Wasser sich zu Eis umformt.

Auch Eis sondert gelöste Fremdstoffe wie Ionen während des Gefriervorgangs nach unten in das noch nicht gefrorene Wasser aus, das dadurch mineralreicher wird. Aufgetautes Eis enthält nur noch Spuren von Salzen.

Alle wissenschaftlichen Versuche zum Nachweis einer Informationsspeicherung in Wasser beziehen sich daher auf sehr kaltes Wasser. Dies macht den Glauben, man könne durch das Trinken von „informiertem“ Wasser nützliche oder schädliche Gesundheitseffekte erzielen, zu einem esoterischen Dogma.

Denn alles Wasser, was wir trinken, wird vom Körper auf ca. 37 Grad C erwärmt, bevor es vom Kreislauf aufgenommen werden kann. Selbst wenn wir Eis lutschen, kommt dessen hexagonale Struktur und etwa gespeicherte Informationen nicht ins Blut, weil insbesondere die kleineren Cluster bei dieser Temperatur fast vollständig verschwunden sind.

Hinzu kommt noch ein weiteres Argument:

Schon wenn wir die Lippen an das Trinkglas setzen und die Oberfläche des Wassers damit berühren, verschwinden die EZ-Zonen dort. Denn die Lippen sind hydrophob, also Wasser abstoßend. Alle Zellen unseres Körpers sind von einer wasserabstoßenden Lipid- (Fett-) schicht umhüllt.

Hexagonales Wasser hat also auch aus diesem Grund keine Möglichkeit, durch etwa gespeicherte Informationen dem Körper zu schaden oder zu nutzen. Keine unserer Körperzellen besitzt die Möglichkeit, strukturiertes, geclustertes oder „informiertes“ Wasser aufzunehmen.

Wenn die Zellen Wasser benötigen, machen sie einen Schalter auf, an dem sich die Wassermoleklüle nicht als „Reisegruppe“, sondern nur einzeln anstellen dürfen, um Einlass zu finden. Diesen Schalter nennt man Aquaporine. Sie lassen nur unstrukturiertes Wasser molekül für Molekül in die Zelle.

Die Frage, ob es hexagonales Wasser ohne Information gibt, kann man ganz trivial mit nein beantworten. Denn ein Hexagon beinhaltet eine andere Information als ein Oktogon oder Dodekaeder.

Wasser hat bei jeder Temperatur und entsprechend den gelösten Stoffen seine jeweils eigene Mathematik und Physik. Letztlich entscheiden genau diese beiden Faktoren auch darüber, ob ein Wasser gesundheitsfördernd wirkt oder schadet.

Zu 3: Ob selbst Wasser „gut oder böse“ sein kann, wenn es hexagonal ist?

Meine Antwort als Wissenschaftler kann nur lauten: Das ist eine reine Glaubenssache.

Wenn Wasser überhaupt mit einer moralischen Kategorie beurteilt werden soll – wie dies der 2014 verstorbene japanische Fotokünstler Masaru Emoto getan hat – sollten Sie besser einen Priester darüber befragen.

Etwa den Pfarrer Jürgen Fliege, der mit Emoto ein Glaubensbuch über „Die Heilkraft des Wassers“ verfasst hat.

Emoto selbst hat diese Art von Heilkraft, die aus Belobigung und Tadel für Wasser bestand, jedenfalls bei seinem Diabetes Typ II nicht geholfen. Das wusste er auch, als er laut Wikipedia schließlich sagte:

“Therefore, the photograph of crystals is neither science nor religion. I hope it is enjoyed as a new type of art.”

Leider kann man auch Fotos nicht trinken.

Vortrag Masaru Emoto über hexagoanle Strukturen im Wasser

Nachtrag | EZ-Wasser nach Gerald Pollack: Kritik und Stand der Forschung

Stand 2019, Asenbaum KH, Elektroaktiviertes Wasser (10. Auflage. S.329 f):

„Die EZ-Theorie von Gerald Pollack ist im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft zerrissen worden. Prof. Martin Chaplin von der South Bank Universität in London schreibt dazu in einer unter Professoren seltenen Offenheit: „Meine Schlussfolgerung ist, dass die von Pollack vorgeschlagene Struktur für EZ-Wasser Unsinn ist, aber die Existenz des EZ- Wassers erwiesen ist, jedoch eine andere Struktur aufweisen muss als die von Pollack vorgeschlagene.“

„Pollack ignoriert viele gängige grundlegende und allgemein anerkannte wissenschaftliche Konzepte, um eine Struktur ohne theoretische, thermodynamische oder experimentelle Gründe für seine Bildung zu erfinden, selbst nachdem er darauf hingewiesen worden war. Quantenchemische Berechnungen zeigen, dass Pollacks Struktur für EZ instabil wäre. Sie würde mit großer Energiefreisetzung, die die von chemischen Sprengstoffen übertrifft, sofort zerfallen.“ (https://vitroid.github.io/water-science/water/water_sitemap.html speziell: https://vitroid.github.io/water-science/water/polywater.html#ez)

Chaplins Fazit: There is a widely-accepted science concerning the hydrated OH− ion that shows that the symmetric H3O2− ion (that is key to Pollack’s EZ structure) cannot exist for more than ≈ 110 fs, The flaws in Pollack’s arguments had been pointed out to him, by the author, multiple times since 2004, 9 years before his ‚Fourth Phase of Water‘ book was published.

Aktualisierung von Karl Heinz Asenbaum (30.08.2026):

Der Aufsatz „EZ Water and the Origin of Life“ von Gerald H. Pollack (2022) entwickelt ein spekulatives Ursprungsmodell des Lebens, in dem sogenanntes „Exclusion-Zone-“ bzw. „EZ-Wasser“ zunächst Materie konzentriert und später Information speichert, die schließlich zur Entstehung von DNA geführt habe. Die zentrale Schwäche liegt darin, dass der Text mehrere weitreichende Behauptungen – insbesondere „Wassergedächtnis“, nichtlokale DNA-Informationsübertragung und „subtile Energien“ – als tragende Bausteine nutzt, obwohl sie nicht robust, unabhängig und reproduzierbar etabliert sind.[1][2][3]

Artikel und Ansatz

Pollack veröffentlicht den Beitrag in Annual Research & Review in Biology, Band 37, Heft 9, Seiten 18–28 (2022). Es handelt sich nicht um eine neue experimentelle Arbeit mit eigenen Messreihen, Kontrollen und statistischer Auswertung, sondern um einen konzeptionellen Essay: Der Autor verknüpft frühere EZ-Experimente und eine Reihe kontroverser Literatur zu einem Narrativ über Präzellen, Informationsspeicherung und Evolution.[1]

Unter „EZ-Wasser“ versteht Pollack eine an hydrophilen Grenzflächen entstehende, gelartig geordnete Wasserzone. Sie soll gelöste Teilchen ausschließen, negativ geladen sein, beim Aufbau Protonen in das umgebende Wasser freisetzen und besonders effizient durch infrarote Strahlung wachsen. Pollack bezeichnet diese postulierte Struktur als „vierte Phase“ des Wassers, neben Eis, Flüssigkeit und Dampf.[1]

Wichtig ist die Unterscheidung: Grenzflächenwasser, Hydrathüllen, ionische Doppelschichten, Diffusionsgrenzschichten und solutenausschließende Zonen sind reale, intensiv untersuchte Phänomene der Physikalischen Chemie. Nicht wissenschaftlicher Konsens ist hingegen Pollacks Deutung, dass daraus eine neue makroskopische Wasserphase mit weitreichender Informationsspeicher- und Biogenesefunktion folge. Eine kritische Fachübersicht akzeptiert, dass EZ-bezogene Beobachtungen erklärungsbedürftig sein können, sieht aber erhebliche Probleme mit der behaupteten Phasenumwandlung bzw. starken Umordnung des Wassers und diskutiert konventionellere Alternativerklärungen.[2]

Die Argumentkette

Pollacks Gedankengang hat fünf aufeinander aufbauende Stufen:

  1. Licht erzeugt EZ-Wasser: An Oberflächen bilden sich negativ geladene, geordnete Wasserschichten; zugleich entstünden außerhalb protonenreiche Bereiche. Vor allem Infrarotlicht liefere die Energie für diesen Vorgang.[1]
  2. Gleichnamig geladene Teilchen kondensieren: Zwei ähnlich geladene Partikel sollen sich über die zwischen ihren EZ-Schichten angereicherten Gegenladungen anziehen. Dadurch könnten auf der frühen Erde aus verstreuten Stoffen verdichtete Aggregate entstehen – Pollacks „Präzellen“.[1]
  3. Eine Membran sei anfangs nicht erforderlich: Pollack argumentiert anhand der Elektroporation, dass Zellen große temporäre Membranperforationen überleben und daher weder ein elektrisch isolierender Abschluss noch eine klassische Membran für die ursprüngliche Zellfunktion zwingend nötig gewesen seien.[1]
  4. EZ-Wasser speichere Information: Die geordnete Struktur sei einem Computer-Speicher ähnlich. Pollack behandelt Sauerstoffatome bzw. deren mögliche Oxidationszustände als mehrwertige Speicherelemente und errechnet unter sehr starken Annahmen eine extrem hohe theoretische Informationsdichte.[1]
  5. EZ-Schablonen erzeugen Biomoleküle und DNA: Unterschiedliche mineralische oder molekulare Startoberflächen prägten unterschiedliche Ladungsmuster in EZ-Schichten. Diese Muster könnten passende kleine Moleküle anlagern, größere Biomoleküle „templaten“ und letztlich DNA hervorbringen; DNA habe dann das instabilere Wasser als Informationsträger abgelöst.[1]

Im letzten Schritt erweitert der Artikel die Hypothese noch weiter: Äußere „subtile Energien“ sollten zunächst die EZ-Struktur und in Ausnahmefällen die DNA verändern. Das wird als möglicher Mechanismus für Mutationen, Genregulation, Evolution und teilweise sogar für lamarckistisch anmutende Vererbung erworbener Eigenschaften angeboten.[1]

Was daran plausibel ist

Der Aufsatz berührt einige legitime und interessante Grundfragen der Ursprungsforschung:

  • Konzentration statt Verdünnung: Präbiotische Chemie benötigt Mechanismen, die Reaktionspartner lokal anreichern. Trocknungszyklen, Mineraloberflächen, Porensysteme, Eutektika im Eis, Aerosole, Lipidvesikel und hydrothermale Mikroräume sind deshalb zentrale Themen der seriösen Origins-of-Life-Forschung. Pollacks Ausgangsfrage – wie aus stark verdünnten Ausgangsstoffen reaktionsfähige Mikroumgebungen werden – ist wissenschaftlich richtig gestellt.[1]
  • Grenzflächen sind chemisch aktiv: Oberflächen können Adsorption, lokale pH-Verschiebungen, Ionenseparation, Orientierung von Molekülen und katalytische Reaktionen beeinflussen. Es ist daher prinzipiell sinnvoll, Wasser-Mineral- und Wasser-Makromolekül-Grenzflächen als mögliche Mitspieler der präbiotischen Chemie zu untersuchen.[2]
  • Nichtgleichgewicht und Energieflüsse: Leben setzt Energieumwandlung fern des thermodynamischen Gleichgewichts voraus. Licht, Redoxgradienten, Temperaturgradienten und elektrochemische Gradienten sind reale Energiequellen, die in Ursprungsmodellen berücksichtigt werden müssen. Pollacks Betonung, dass bloße Stoffansammlungen ohne Energiezufuhr keine evolvierende Chemie ergeben, ist als allgemeines Prinzip zutreffend.[1]
  • Membranen sind evolutionär komplex: Die Entstehung selektiv permeabler Kompartimente ist tatsächlich eine offene Frage. Allerdings folgt aus dieser Schwierigkeit nicht, dass Membranen biologisch entbehrlich seien; moderne Ursprungsmodelle untersuchen gerade einfache Fettsäurevesikel und andere frühe Kompartimente als Vorformen heutiger Membranen.[1]

Zentrale Probleme

„Vierte Phase“ als Prämisse

Pollacks Modell steht und fällt mit einer spezifischen, langreichweitig geordneten, stabilen und informationsfähigen EZ-Struktur. Genau diese starke Interpretation ist aber nicht gesichert. Die kritische Literatur bemängelt unter anderem, dass Effekte wie Teilchenausschluss, pH- und Ladungsgradienten, Strömung, Gelbildung oder optische Artefakte nicht zwingend eine neue Wasserphase verlangen; zudem stützten Neutronenradiographie-Ergebnisse nicht die behauptete dichtere Phase, und wichtige birefringenzbasierte Evidenz wurde methodisch problematisiert.[2]

Das bedeutet nicht, dass jede Grenzflächenanomalie „wegzuerklären“ wäre. Es bedeutet aber: Von einer beobachteten Ausschlusszone zu einem universellen, kristallähnlichen Informationsmedium ist ein großer, bislang nicht experimentell überbrückter Schluss.

Informationsspeicher-Analogie

Der Vergleich zwischen EZ-Wasser und einem Halbleiter- oder Festplattenspeicher ist eher Metapher als Mechanismus. Ein Speicher benötigt nicht nur viele mögliche Mikrozustände, sondern auch:

  • klar definierte und voneinander unterscheidbare Zustände,
  • zuverlässiges Schreiben,
  • zerstörungsarmes Auslesen,
  • ausreichend lange Retention,
  • Fehlertoleranz und Korrektur,
  • eine nachweisbare Kopiermethode mit hoher Genauigkeit.

Pollack nimmt an, einzelne Sauerstoffatome in einem Wassernetz könnten unabhängig adressierbare Oxidationszustände besitzen. Diese Annahme wird im Beitrag weder quantenchemisch hergeleitet noch spektroskopisch gezeigt. Insbesondere sind „Oxidationszustände“ nützliche formale Elektronenbuchhaltung in chemischen Verbindungen, aber nicht automatisch frei schaltbare, langlebige, individuell beschreib- und lesbare Speicherbits eines Wassermoleküls. Die behauptete Größenordnung von etwa 5×1021 bit pro Quadratzoll ist daher keine Messung, sondern eine hypothetische Rechenfolge aus unbelegten Voraussetzungen.[1]

„Wassergedächtnis“

Pollack stützt seine Informationshypothese wesentlich auf Benveniste, Montagnier und behauptete Bestätigungen. Gerade hier ist die wissenschaftliche Einordnung eindeutig kritisch: Benvenistes Behauptung biologischer Wirkungen extremer Verdünnungen wurde unter streng kontrollierten Doppelblindbedingungen nicht bestätigt; auch spätere unabhängige Reproduktionen lieferten keinen belastbaren Nachweis eines Wassergedächtnisses. Nature dokumentiert, dass die geforderten unabhängigen Wiederholungen nicht publiziert wurden und die streng überwachten Versuche das ursprüngliche Resultat nicht verifizierten.[3]

Der Verweis auf Nobelpreisträger ersetzt keine belastbare Evidenz. Wissenschaftliche Gültigkeit entsteht durch transparente Methoden, vorab definierte Endpunkte, Blindung, geeignete Kontrollen, Rohdaten, unabhängige Replikation und plausible physikalisch-chemische Mechanismen – nicht durch Reputation einzelner Autoren. Die herangezogenen Befunde zur angeblichen Übertragung von DNA-Sequenzinformation ohne vorhandene DNA erfüllen diesen Evidenzstandard bislang nicht.[3][1]

„Subtile Energien“

Der Begriff bleibt im Artikel unscharf. Er wird mit getrockneten Wassertropfenmustern, Personenunterschieden, Umweltinformation, Mutationen und epigenetischer Regulation verbunden, aber ohne operationalisierte Messgröße, definierte Energieform, Dosis-Wirkungs-Beziehung oder plausible Kopplung an molekulare Strukturen.[1]

Damit entsteht ein erkenntnistheoretisches Problem: Eine Hypothese ist wissenschaftlich besonders fruchtbar, wenn sie präzise vorhersagt, welche Energie bei welcher Intensität, unter welchen Bedingungen, welches reproduzierbare Messsignal erzeugt – und wann ausdrücklich kein Effekt erwartet wird. „Subtile Energien“ fungieren im Text eher als Lückenfüller als als testbarer Mechanismus.

Elektroporation und Membran

Pollacks Argument gegen die fundamentale Rolle von Membranen überdehnt die Elektroporation. Elektroporation beschreibt eine durch kurze, starke elektrische Impulse induzierte, meist reversible Erhöhung der Membranpermeabilität; ob eine Zelle überlebt, hängt stark von Pulsparametern und der anschließenden Wiederherstellung der Membranintegrität ab. Bei zu hoher Belastung sinkt die Viabilität, und lebensfähige Zellen müssen ihre Plasmamembran wieder abdichten.[4][5]

Dass DNA in elektroporierten Zellen aufgenommen werden kann, zeigt daher nicht, dass eine Zellmembran für Ionengradienten, Energiehaushalt und Homöostase verzichtbar wäre. Es zeigt vielmehr, dass Membranen dynamische, reparierbare Strukturen sind, deren Permeabilität kontrolliert oder vorübergehend gestört werden kann. Auch moderne Simulationen und Experimente behandeln Elektroporationsporen als lokal und heterogen entstehende Membranereignisse, nicht als Widerlegung der Membranfunktion.[6]

Bezug zur Ursprungsforschung

Die heutige Origins-of-Life-Forschung arbeitet nicht mit einer einheitlichen „Ursuppe“, sondern mit mehreren teilweise kombinierbaren Szenarien. Dazu gehören RNA-Welt-Modelle, Metabolism-first-Ansätze, alkalische Hydrothermalquellen, mineral- und porenbasierte Chemie, lipidbasierte Protocells sowie Zyklen aus Nass-Trocken-, Frost-Tau- oder Temperaturwechseln.

Ein überzeugendes Ursprungsmodell muss mindestens vier Probleme zusammenführen:

Erforderliche FunktionWissenschaftliche FragePollacks VorschlagBewertungsstand
KonzentrationWie treffen Reaktanden häufig genug zusammen?Lichtgetriebene EZ-gestützte KondensationGrenzflächen- und Konzentrationseffekte sind plausibel, der spezielle EZ-Mechanismus ist umstritten. [1][2]
KompartimentierungWie bleiben Reaktionsnetze räumlich gekoppelt?Präzellen zunächst ohne isolierende MembranZu schwach begründet; selektive Barrieren und stabile Kompartimente gelten als zentral. [1][5]
VererbungWie wird Information genau kopiert?EZ-Muster, später DNAKein reproduzierter Nachweis für Schreiben, Kopieren oder Auslesen biologischer Information in EZ-Wasser. [1][3]
EvolvierbarkeitWie entstehen Varianten und Selektion?„Subtile Energien“ verändern EZ und eventuell DNANicht operationalisiert und nicht mechanistisch belegt. [1]

Der Artikel ist also nicht einfach „falsch“, weil Wasser an Grenzflächen besondere Eigenschaften hat – das wäre eine unfaire Verkürzung. Er ist wissenschaftlich problematisch, weil er reale Grenzflächenphänomene mit unbewiesenen Zusatzannahmen verbindet und anschließend aus dieser Kette eine umfassende Erklärung von Präbiogenese, Genetik, Mutation, Epigenetik und Evolution ableitet.

Quellenkritik des Artikels

Die Literaturliste ist auffällig unausgewogen. Mehrere Schlüsselannahmen beruhen auf Pollacks eigenen Büchern und Arbeiten sowie auf kontroversen Arbeiten außerhalb des stabilen Mainstreams der Molekularbiologie, Evolutionsbiologie und physikalischen Chemie. Die Arbeit diskutiert kritische Gegenliteratur zur EZ-Deutung, zu Wassergedächtnis-Experimenten und zu Montagnier-artigen DNA-Übertragungsbehauptungen praktisch nicht.[3][2][1]

Zudem ersetzt der Text an vielen Stellen experimentelle Zwischenschritte durch plausibel klingende Sprache: „may“, „might“, „could“ und „we may envision“ markieren zwar formal Spekulation, doch die Schlussfolgerungen werden später oft wesentlich stärker formuliert als die Evidenz erlaubt. Das ist als ideenbildender Essay zulässig, aber nicht als Nachweis einer alternativen Theorie der Lebensentstehung.

Was testbar wäre

Damit aus der Hypothese ein belastbares Forschungsprogramm würde, müssten ihre stärksten Teile mit vorregistrierten, verblindeten und unabhängig replizierten Experimenten geprüft werden:

  • Struktur: Zeigt Grenzflächenwasser unter genau definierten Bedingungen eine von Bulk-Wasser klar unterscheidbare, langzeitstabile Ordnung? Geeignete Methoden wären beispielsweise NMR, IR/Raman-Spektroskopie, Röntgen- oder Neutronenstreuung und sorgfältig kontrollierte Oberflächenanalytik.
  • Informationsspeicherung: Kann man ein definiertes Bitmuster physikalisch in einem EZ-System schreiben, blind auslesen und nach einer vorher festgelegten Zeit mit quantifizierter Fehlerrate wiederfinden?
  • Templating: Erhöht ein spezifisch charakterisiertes EZ- oder Grenzflächenmuster reproduzierbar die Ausbeute einer bestimmten präbiotischen Reaktion gegenüber Oberflächen-, pH-, Temperatur-, Ionenstärke- und Kontaminationskontrollen?
  • DNA-Übertragung: Kann eine behauptete Sequenzübertragung in strikt getrennten, DNA-freien, DNase-kontrollierten und blind kodierten Systemen von unabhängigen Laboren mit Sequenzierung bestätigt werden?
  • „Subtile Energien“: Welche messbare Energieform, Frequenz, Leistungsdichte und Expositionszeit ist gemeint? Ohne diese Spezifikation ist die Behauptung nicht präzise falsifizierbar.

Gesamturteil

Pollacks Aufsatz ist ein origineller, interdisziplinär formulierter Hypothesenessay, der eine sinnvolle Ausgangsfrage aufwirft: Welche Rolle könnten Wasser-Grenzflächen, Energieflüsse und lokale Konzentration bei der Präbiotik gespielt haben? Seine Antwort überschreitet jedoch den belastbaren Wissensstand deutlich.[2][1]

Als Anregung für klar begrenzte Experimente zu Grenzflächenwasser, Ladungstrennung und präbiotischer Oberflächenchemie kann der Text produktiv gelesen werden. Als Erklärung dafür, dass EZ-Wasser Leben organisiert, biologische Information speichert, DNA erzeugt oder „subtile Energien“ Evolution steuern, ist er derzeit nicht wissenschaftlich etabliert und wegen fehlender robuster Replikation, unklarer Mechanismen und zahlreicher unbelegter Zwischenschritte nicht überzeugend.[3][2]

⁂

  1. https://journalarrb.com/index.php/ARRB/article/view/1927/3856
  2. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7404113/
  3. https://www.nature.com/news/2004/041004/full/news041004-19.html
  4. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1567539421001341
  5. https://openreadings.eu/archive/2023/P3-77/research-on-cell-plasma-membrane/
  6. https://elifesciences.org/articles/74773
  7. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6023293/
  8. https://www.meybriah.com/research
  9. https://papers.ssrn.com/sol3/Delivery.cfm/SSRN_ID4818183_code5736473.pdf?abstractid=4366701&mirid=1
  10. https://biomedpharmajournal.org/staging/vol7no1/electroporation-as-a-new-cancer-treatment-technique-a-review-on-the-mechanisms-of-action/
  11. https://bio4climate.org/article/water-isnt-what-you-think-it-is-the-fourth-phase-of-water-by-gerald-pollack/
  12. https://www.scribd.com/document/795699784/The-Fourth-Phase-of-Water-WAI-Summary
  13. https://en.wikipedia.org/wiki/Benveniste_affair
  14. https://en.wikipedia.org/wiki/Water_memory
  15. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0308814620301540
  16. https://www.reddit.com/r/HypotheticalPhysics/comments/1blavjh/what_if_water_had_properties_that_might_let_us/

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