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PFAS, Nafion und Wasserstoff-Geräte: Muss man Angst haben?

Seit einigen Wochen bekommen wir viele Anrufe zu derselben Frage. In Videos, Foren und Gruppen wird behauptet, die Membran in Wasserstoff-Boostern und Inhalatoren gebe PFAS ab, also „Ewigkeitschemikalien“, ins Trinkwasser oder sogar ins Wasserstoffgas, das Sie einatmen. Die Sorge ist verständlich: PFAS sind ein echtes Umweltproblem, und die Membran in unseren Geräten besteht tatsächlich aus einem fluorierten Kunststoff. Weil diese Behauptungen inzwischen viele Kunden verunsichern, gehen wir die zwölf häufigsten weiter unten einzeln durch.

Wir haben dazu die Datenblätter des Membranherstellers, die aktuellen Bewertungen der EU-Behörden und die Fachliteratur zur Alterung solcher Membranen ausgewertet. Hier steht, was wir gefunden haben, mit Quellen, mit nachvollziehbaren Rechnungen und mit dem, was die Forschung noch nicht weiß.

Die Kurzantwort

  • Die Membran (Nafion 117) zählt nach heutiger Definition zu den PFAS. Sie ist ein fester, wasserunlöslicher Kunststoff und löst sich im Wasser nicht auf.
  • Bei Fluorpolymeren sieht die Europäische Chemikalienagentur die Hauptsorge bei Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung. Dort gelangen kleine, mobile PFAS in Flüsse und Luft.
  • Während der Elektrolyse altert die Membran. In Stresstests der Industrie wurde vor allem Fluorid gemessen, in Brennstoffzellen außerdem kleine fluorierte Bruchstücke wie Trifluoressigsäure (TFA). Veröffentlichte Messungen an Haushaltsgeräten haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden.
  • Unsere Beispielrechnung für eine Füllung des H2 Turbo, mit der von uns gemessenen Membranöffnung, ergibt unter den dort genannten Annahmen rechnerisch etwa ein 650stel des Trinkwasser-Grenzwerts für Fluorid und etwa ein 250stel des Leitwerts des Umweltbundesamts für TFA. Das ist eine Abschätzung, keine Messung; ob sie die tatsächliche Abgabe über- oder unterschätzt, ist offen.
  • Was dabei vor allem ins Wasser gelangen kann, ist das Fluorid-Ion, wie es auch in Tee und Mineralwasser vorkommt. Chemisch ist es dasselbe Ion wie im fluoridierten Trinkwasser anderer Länder. Der Unterschied liegt in der Menge, und Hexafluorokieselsäure, die dort oft zugesetzt wird, entsteht in der Membran nicht.
  • Das Polymer verdampft nicht. Ob Spuren von Abbauprodukten mit feinsten Tröpfchen ins Gas eines Inhalators gelangen, ist nicht gemessen.
  • Ein Gerät ganz ohne Membran ist nicht automatisch die bessere Wahl: Ohne Trennung kann auch, was an der Sauerstoffseite entsteht, ins Trinkwasser gelangen. Ob das bei einem bestimmten Gerät der Fall ist, muss am Gerät gemessen werden.
  • Was Sie konkret tun können, steht in der Checkliste am Ende.

In diesem Beitrag: Was PFAS sind · Was Nafion ist · Was die EU sagt · Was im Gerät passiert · Beispielrechnung · Fluorid einordnen · Inhalatoren · Zwölf Behauptungen im Check · Was noch offen ist · Checkliste · Häufige Fragen

Was PFAS sind und warum sie Sorgen machen

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind laut Umweltbundesamt eine Gruppe von über 10.000 künstlich hergestellten Stoffen. Gemeinsam ist ihnen die Kohlenstoff-Fluor-Bindung, eine der stabilsten Bindungen der Chemie. Viele PFAS werden deshalb in der Umwelt kaum abgebaut.

Unter dem Begriff stehen sehr verschiedene Stoffe. Auf der einen Seite gibt es kleine, wasserlösliche Moleküle wie PFOA, PFOS oder TFA. Sie gelangen mit dem Grundwasser ins Trinkwasser, und einige reichern sich im Körper an. Auf der anderen Seite stehen Fluorpolymere wie PTFE (bekannt als Teflon) oder Nafion: riesige Kettenmoleküle, die als feste Folie oder Beschichtung vorliegen. Für eine Bewertung muss man diese Gruppen auseinanderhalten.

Seit dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland für Trinkwasser ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS. Ab 2028 kommt ein strengerer Wert von 0,02 µg/l für vier besonders kritische Stoffe hinzu.

Was Nafion ist

Nafion ist der Markenname einer Membran, die heute von der Firma Chemours (früher DuPont) hergestellt wird. Chemisch besteht sie aus einem Rückgrat wie bei PTFE mit fluorierten Seitenketten, an deren Enden Sulfonsäuregruppen sitzen. Über diese Gruppen wandern Protonen durch die Folie. Deshalb heißt sie Protonenaustauschmembran (PEM).

In einem Wasserstoffgerät trennt die Membran die beiden Seiten der Elektrolyse. Auf der einen Seite entsteht Wasserstoff, auf der anderen Sauerstoff. Der Wasserstoff geht ins Wasser oder in den Gasschlauch, der Sauerstoff wird getrennt abgeführt.

Schaubild einer PEM-Elektrolysezelle: Die Membran zwischen den Elektroden trennt die Wasserstoffseite von der Sauerstoffseite

Laut Datenblatt ist Nafion 117 rund 0,18 mm dick und wiegt 360 g pro Quadratmeter. Es ist ein chemisch stabilisierter Typ, der nach Herstellerangabe deutlich weniger Fluorid abgibt als nicht stabilisiertes Material. Rund zwei Drittel seiner Masse sind Fluor (unsere Rechnung aus der Summenformel).

Aquavolta® H2 Turbo 3.0: Trinkflasche mit PEM-Elektrolysezelle im Boden

Mit PEM-Zellen arbeiten zum Beispiel diese Geräte aus unserem Sortiment:

  • Der Aquavolta® H2 Turbo 3.0 reichert Trinkwasser an. Laut Gerätedaten nutzt er eine Membran vom Typ Nafion 117; ob es Originalmaterial ist, klären wir (mehr dazu im nächsten Abschnitt).
  • Der Pulmovolta® Cavallo 1000 ist ein Inhalator. In seiner Anleitung steht ebenfalls Nafion 117.
  • Der Pulmovolta® H2K 3000 ist ein Inhalator mit einer großen PEM-Zelle.

Ist Nafion ein PFAS?

Ja. Nach der Definition der OECD von 2021 zählt jeder Stoff mit mindestens einer vollständig fluorierten CF₂- oder CF₃-Gruppe dazu, und das gilt für Nafion. Für Sie zählt aber eine andere Frage: Gelangen aus dieser Folie PFAS in Ihr Wasser oder in Ihre Atemluft, und wenn ja, wie viel?

Original-Nafion oder gleichwertige Membran: Macht das einen Unterschied?

Nafion N117 ist eine konkrete Membran von Chemours. Daneben gibt es heute Membranen mit ähnlichen Abmessungen anderer Hersteller, darunter viele aus China, außerdem Verbundmembranen, die mit einem PTFE-Gewebe verstärkt sind. Fast alle diese Membranen gehören zur selben Stoffklasse wie Nafion: Es sind perfluorierte Sulfonsäure-Polymere (PFSA). Für die Frage „PFAS oder nicht“ ändert die Herkunft also nichts. Auch eine Alternative dieser Art ist ein PFAS.

Unterschiede gibt es bei der Qualität. Wie gut eine Membran chemisch stabilisiert ist, wie viele Rückstände aus der Herstellung sie enthält und wie schnell sie altert, hängt vom Hersteller und vom Herstellungsverfahren ab. Wir klären derzeit mit dem Gerätehersteller, von welchem Membranhersteller die Membran im H2 Turbo stammt. Ähnliche Abmessungen bedeuten nicht dieselben Eigenschaften. Unsere Rechnung weiter unten nutzt den oberen Rand der Messwerte aus der Fachliteratur. Ob eine Membran unbekannter Herkunft darüber liegt, können wir nicht ausschließen; die Übertragbarkeit der Materialdaten ist so lange offen. Deshalb zeigen wir auch, was bei einer zehnmal höheren Abgabe herauskäme.

Wo die EU-Behörde das Hauptproblem der Fluorpolymere sieht

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) bereitet eine Beschränkung fast aller PFAS vor. Ihr Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) hat am 2. März 2026 seine Stellungnahme verabschiedet. Darin heißt es: Hochmolekulare Fluorpolymere sind nicht wasserlöslich und erfüllen die Kriterien für Mobilität nicht. Als Hauptsorge nennt der Ausschuss:

  1. Emissionen kleiner, nicht polymerer PFAS bei der Herstellung der Fluorpolymere,
  2. Rückstände und Zersetzungsprodukte bei der Verarbeitung mit Hitze, etwa beim Sintern oder Extrudieren,
  3. Emissionen in der Abfallphase, zum Beispiel bei schlechter Verbrennung.

Was Emissionen bei der Herstellung bedeuten, zeigt das Chemours-Werk in Fayetteville, North Carolina. Von dort gelangten fluorierte Nebenprodukte in den Cape Fear River, aus dem die Stadt Wilmington ihr Trinkwasser bezieht. Bei 344 Menschen aus Wilmington fanden Forschende 2017 und 2018 unter anderem das „Nafion-Nebenprodukt 2“, ein Nebenprodukt der Nafion-Herstellung, bei mehr als 85 Prozent im Blut. Diese Untersuchung betrifft die Belastung durch ein Chemiewerk. Emissionen aus fertigen Wasserstoffgeräten hat sie nicht untersucht.

Die Industrie bezeichnet Fluorpolymere gern als „Polymere von geringer Besorgnis“. Der RAC hält dazu fest, dass es für diesen Begriff keine verabschiedeten Kriterien gibt und dass ein Blick nur auf das fertige Produkt die Herstellung und Entsorgung ausblendet. Eine Gruppe unabhängiger Umweltchemiker um Rainer Lohmann kam 2020 zum selben Schluss. Wir übernehmen dieses Etikett deshalb nicht.

Für Fluorpolymere in Brennstoffzellen und Elektrolyseuren schlägt der RAC eine Übergangsfrist von 13,5 Jahren nach Inkrafttreten der Beschränkung vor. Das ist noch kein geltendes Recht: Der zweite Ausschuss (SEAC) will seine endgültige Stellungnahme Ende 2026 vorlegen, danach entscheiden EU-Kommission und Mitgliedstaaten.

Was im Gerät passiert

Löst sich die Membran im Wasser auf?

Nein. Chemours schreibt im technischen Merkblatt T-01, Nafion sei nicht biologisch abbaubar, enthalte kein extrahierbares Material und werde von Süßwasser nicht angegriffen. Das ist eine Herstellerangabe. Eigene Messungen zur Lagerung im Wasser liegen uns nicht vor.

Was beim Stromfluss geschieht

Während der Elektrolyse entstehen an den Elektroden in geringen Mengen sehr reaktive Teilchen, etwa Radikale. Sie greifen die Membran an einzelnen Stellen an. Dieser Abbau ist in der Forschung gut untersucht, weil er die Lebensdauer von Brennstoffzellen und Elektrolyseuren begrenzt.

Als Maß für die Alterung messen Ingenieure das freigesetzte Fluorid. Fluorid ist ein einfaches Ion und selbst kein PFAS. Eine Untersuchung an einer Elektrolysezelle mit Nafion 117 fand in einem 100-Stunden-Stresstest Spitzenwerte von 0,83 Mikrogramm Fluorid pro Stunde und Quadratzentimeter Membran, gemessen nach 25 Stunden. Gegen Ende des Tests sank der Wert auf 0,03 bis 0,27. Für die Fachliteratur insgesamt nennen die Autoren einen Bereich von 0,01 bis 2,0 Mikrogramm. Mehrere Arbeitsgruppen beobachteten eine erhöhte Abgabe zu Beginn, die die Autoren unter anderem auf Rückstände aus der Herstellung zurückführen.

Neben Fluorid können kleine Bruchstücke der Membran entstehen. Forschende von 3M fanden 2021 im Ablaufwasser von Brennstoffzellen im Stresstest (90 °C, trockene Gase) Sulfat, Trifluoressigsäure (TFA) und per Massenspektrometrie Bruchstücke der Seiten- und der Hauptkette. Die TFA-Menge lag bei der dort getesteten Nafion-Membran bei etwa einem Zehntel der Fluoridmenge. Diese Bruchstücke sind kleine PFAS. Die Aussage, aus einer Nafion-Membran könne nie ein PFAS-Molekül kommen, ist deshalb nicht haltbar.

Eine Studie von 2025 untersuchte das Kreislaufwasser einer großen PEM-Elektrolyseanlage im Megawattbereich während der ersten etwa zwei Betriebswochen. Mit der US-Standardmethode EPA 1633 wiesen die Forschenden keine der damit erfassten PFAS nach. Diese Methode erfasst 40 bestimmte PFAS, nicht die ganze Stoffgruppe; ein Nichtnachweis gilt nur für diese Stoffe und die jeweilige Nachweisgrenze.

Die Größenordnungen: eine Beispielrechnung

Bei unserer Recherche haben wir keine veröffentlichten PFAS-Messungen an kleinen Wasserstoff-Boostern gefunden. Wir können aber eine Größenordnung abschätzen. Alle Zahlen in diesem Abschnitt sind Abschätzungen, keine Messungen an unseren Geräten. Die Abgaberaten stammen aus Versuchen unter anderen Bedingungen. Ob die Rechnung die tatsächliche Abgabe über- oder unterschätzt, ist nicht gemessen. Der Turbo arbeitet mit deutlich weniger Strom pro Fläche als die Testzellen. Der Abbau hängt aber auch von Temperatur, Verunreinigungen im Wasser und Betriebswechseln ab; aus der Stromdichte allein lässt sich deshalb nicht sicher ableiten, ob die Rechnung zu hoch oder zu niedrig liegt.

Die Membranfläche haben wir nachgemessen. In einer früheren Fassung dieses Beitrags hatten wir 10 cm² angenommen. Am Boden der Flasche hat die Öffnung, durch die das Wasser die Zelle berührt, einen Durchmesser von 21 bis 22 mm. Das sind 3,5 bis 3,8 cm². Unter der Öffnung liegt zuerst eine Elektrode aus gelochtem Blech, erst darunter die Membran. Nach Augenmaß sind 30 bis 40 Prozent dieses Blechs offen. Das Wasser berührt die Membran also nur auf einem Teil der Fläche.

Geöffneter H2 Turbo: Boden mit Elektrolysezelle und gelochter Elektrode, darüber das Glasrohr

Annahmen für den H2 Turbo 3.0:

  • Membranfläche 3,8 cm², also die ganze Öffnung mit dem größeren Messwert. Das ist unsere Hauptrechnung. Die Abgaberaten aus der Literatur beziehen sich auf die gesamte aktive Fläche zwischen den Elektroden, nicht nur auf den Teil, der direkt mit Wasser in Berührung kommt.
  • Zum Vergleich: nur die offene Fläche des Lochblechs, mit 40 Prozent gerechnet rund 1,5 cm². Ob diese kleinere Fläche die tatsächlich wirksame ist, ist nicht bestätigt; maßgeblich ist die Hauptrechnung.
  • Fluoridabgabe 2,0 µg pro Stunde und cm², also der obere Rand des Literaturbereichs. Der Turbo arbeitet laut Gerätedaten mit höchstens 1 Ampere, das sind bei 3,8 cm² etwa 0,26 A pro cm². Die Testzelle oben wurde mit bis zu 3 A pro cm² betrieben.
  • Alles Fluorid landet im Trinkwasser, obwohl ein Teil auf der Sauerstoffseite entsteht.
  • Eine Füllung: 270 ml, 5 Minuten Laufzeit. Der 10-Minuten-Modus ist für größere Flaschen gedacht; bei gleicher Wassermenge würde sich der Wert verdoppeln.
  • TFA: Wir übernehmen hilfsweise das Verhältnis von etwa 1 zu 10 aus der Brennstoffzellen-Studie mit einer anderen Nafion-Membran und anderen Betriebsbedingungen. Ob es für Elektrolyse bei Raumtemperatur gilt, ist nicht untersucht; die TFA-Zahlen sind deshalb noch unsicherer als die Fluoridzahlen. Weitere mögliche Bruchstücke lassen sich nicht beziffern.
GrößeRechnungErgebnisVergleichs­wert
Fluorid je Füllung (ganze Öffnung)2,0 µg × 3,8 cm² × 5/60 hca. 0,63 µg in 270 ml ≈ 2,3 µg/lGrenz­wert Trink­wasser 1.500 µg/l, also etwa ein 650stel
Fluorid je Füllung (nur offene Lochfläche)2,0 µg × 1,5 cm² × 5/60 hca. 0,25 µg in 270 ml ≈ 0,9 µg/letwa ein 1.600stel des Grenzwerts
TFA je Füllung (ganze Öffnung)etwa ein Zehntel der Fluorid­mengeca. 0,23 µg/lLeitwert des Umwelt­bundesamts 60 µg/l, also etwa ein 250stel
TFA je Füllung (nur offene Lochfläche)etwa ein Zehntel der Fluorid­mengeca. 0,09 µg/letwa ein 650stel des Leitwerts
Rechne­rische Fluorid­abgabe pro Jahr (ganze Öffnung)3 Füllungen täglich, 365 Tageca. 0,7 mgDie Membran enthält auf dieser Fläche rund 90 mg Fluor, das ist weniger als 1 Prozent pro Jahr

Wie viel Abstand bleibt, wenn eine Membran schlechter ist als die in der Literatur untersuchten? Selbst bei der zehnfachen Abgaberate läge Fluorid in der Hauptrechnung bei etwa 23 µg/l, das ist rund ein 65stel des Grenzwerts. Für TFA wären es etwa 2,3 µg/l, rund ein 25stel des Leitwerts.

Zwei Vorbehalte gehören dazu. Fluorid ist kein PFAS, der Vergleich mit dem Fluorid-Grenzwert sagt also nichts über PFAS. Und TFA gehört nicht zu den 20 PFAS, für die der deutsche Grenzwert gilt; dafür gibt es den Leitwert des Umweltbundesamts. Welche weiteren PFAS in welcher Menge aus einem Haushaltsgerät kommen könnten, ist nicht untersucht.

Fluorid einordnen: Wie viel ist viel?

Fluorid kommt natürlich fast überall vor. Meerwasser enthält rund 1,3 Milligramm pro Liter, also etwa 1.300 Mikrogramm. Schwarzer Tee ist nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) besonders reich an Fluorid. Natürliche Mineralwässer dürfen bis zu 5 mg pro Liter enthalten; liegt der Gehalt über 1,5 mg pro Liter, muss auf dem Etikett stehen, dass das Wasser für Säuglinge und Kinder unter sieben Jahren nicht zum regelmäßigen Verzehr geeignet ist. Für Trinkwasser gilt ein Grenzwert von 1,5 mg pro Liter. Laut BfR enthalten über 90 Prozent der untersuchten Trinkwässer in Deutschland weniger als 0,3 mg pro Liter.

Unsere Hauptrechnung für eine Turbo-Füllung landet bei rund 0,0023 mg pro Liter. Das ist kein Freibrief: Fluorid ist in größeren Mengen schädlich, deshalb gibt es den Grenzwert. Die Rechnung zeigt aber die Größenordnung.

Fluorid ist nicht gleich Hexafluorokieselsäure. In einigen Ländern, etwa in den USA, in Irland und in Teilen Englands, wird dem Trinkwasser Fluorid zugesetzt, häufig in Form von Hexafluorokieselsäure (H₂SiF₆). Manche Menschen haben gegen diese Trinkwasserfluoridierung grundsätzliche Bedenken. In Deutschland wird Trinkwasser nicht fluoridiert. Was eine Membran beim Altern abgeben kann, ist das einfache Fluorid-Ion, das in der Fachliteratur als Maß für die Alterung gemessen wird. Hexafluorokieselsäure entsteht dabei nicht und wird auch nicht zugesetzt. Was es mit diesem Stoff auf sich hat und wo wirklich fluoridiert wird, erklären wir im Beitrag Fluorid ist nicht gleich Hexafluorokieselsäure.

Bei TFA bleiben wir vorsichtiger. TFA ist ein PFAS und wird in der Umwelt praktisch nicht abgebaut. Der Risikoausschuss der ECHA hat im Juni 2026 vorgeschlagen, TFA als fortpflanzungsgefährdend (Kategorie 1B) einzustufen. Das Umweltbundesamt hält seinen gesundheitlichen Leitwert von 60 µg pro Liter trotzdem für ausreichend schützend. Dass unsere Abschätzung weit darunter liegt, ersetzt keine Messung.

Und im Wasserstoffgas der Inhalatoren?

Pulmovolta® Cavallo 1000 Wasserstoff-Inhalator mit PEM-Zelle und Befeuchtungsbehälter

Inhalatoren setzen deutlich mehr Strom um als ein Trink-Booster. Der Cavallo 1000 erzeugt 667 ml Wasserstoff pro Minute. Nach dem Faraday-Gesetz entspricht das bei 25 °C rechnerisch rund 87 Ampere, beim H2K 3000 mit 2.000 ml pro Minute rund 260 Ampere. Wie sich das auf Zellen und Membranfläche verteilt, haben wir nicht gemessen.

Das wissen wir:

  • Das Polymer verdampft nicht. Nafion ist ein fester Kunststoff. Laut Hersteller beginnt die Zersetzung an Luft erst bei rund 280 °C, gesundheitlich relevante Dämpfe treten oberhalb von 250 °C auf. Im Betrieb mit flüssigem Wasser liegen die Temperaturen weit darunter. Die Zersetzung durch Hitze ist aber ein anderer Vorgang als der Abbau durch die Elektrolyse.
  • Die Abbauprodukte wurden im Wasser gemessen. Fluorid, Sulfat und TFA sind wasserlöslich und liegen im Wasser als Ionen vor. In den genannten Studien wurden sie im Ablaufwasser der Zellen gefunden. Beim Inhalator entspricht das dem Tankwasser und dem Wasser, das der Wasserstoff aus der Zelle mitreißt.
  • Das Gas perlt durch den Befeuchtungsbehälter, bevor Sie es einatmen. Wasserlösliche Stoffe und Tröpfchen können dort zurückbleiben. Wie viel, ist für unsere Geräte nicht gemessen.

Offen ist, ob Spuren polymerer Partikel oder gelöster Abbauprodukte über feinste Tröpfchen (Aerosol) bis in die Nasenbrille gelangen. Die Forschung steht hier am Anfang. Das EU-Projekt UPeM unter Beteiligung des Fraunhofer CSP entwickelt seit März 2026 überhaupt erst einheitliche Verfahren, um PFAS in Flüssigkeiten, Gasen und Aerosolen von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen zu messen. Es läuft bis August 2028.

Pulmovolta® H2K 3000 Wasserstoff-Inhalator mit großer PEM-Zelle, TDS-Sensor und Befeuchtungsbecher

Eine weitere Beispielrechnung, wieder nur unter Annahmen: Mit 2,0 µg pro Stunde und cm² und rund 87 cm² Fläche (bei 1 A pro cm²) ergäben sich beim Cavallo bei 30 Minuten täglich über drei Monate rund 8 mg Fluorid, sofern alles im Tankwasser bliebe. Gemessen ist der Verbleib nicht. Das Tankwasser ist ohnehin kein Trinkwasser, und die Anleitung schreibt vor, es spätestens alle drei Monate auszutauschen.

Die häufigsten Behauptungen – und was dran ist

In Videos, Foren, Gruppen, Shop-Texten und Kundengesprächen begegnen uns immer wieder dieselben Sätze. Fast alle vermischen zwei Dinge, die man auseinanderhalten muss: den festen Kunststoff der Membran und kleine, wasserlösliche PFAS-Moleküle. Wir gehen zwölf Behauptungen einzeln durch, mit Zahlen, Quellen und einem Vergleich aus dem Alltag. Die Überschriften sind zugespitzte Zusammenfassungen dessen, was wir hören, keine Zitate bestimmter Personen oder Anbieter. Wer vorsichtig fordert, dass Geräte gemessen werden, hat recht; darauf gehen wir unter Punkt 12 ein.

BehauptungUnsere Einordnung
Die Membran gibt PFAS ins Trinkwasser ab.Teilweise richtig, die Menge entscheidet
Mit dem Wasserstoff atmet man PFAS ein.Nicht gemessen; Verdampfen unwahrscheinlich, Tröpfchen offen
Nafion ist dasselbe wie Teflon.Verwandt, aber nicht gleich
Nafion ist ein PFAS, also so gefährlich wie PFOA.Erster Teil stimmt, der Schluss nicht
Ewigkeitschemikalien reichern sich beim Trinken an.Je nach Stoff: Jahre oder Tage
„PFAS-freie“ Geräte sind sicherer.Hängt davon ab, was stattdessen drin ist
Am sichersten ist ein Gerät ohne Membran.Nicht belegt; die Membran hat eine Trennaufgabe
Jede Membran ist Gift.Nein
Die EU verbietet bald alle PFAS, also auch Nafion.Noch nicht beschlossen, Übergangsfrist vorgeschlagen
Membranen aus China sind giftig.So pauschal nicht belegt
Die Membran fluoridiert das Wasser wie die Trinkwasserfluoridierung.Nein, mehrere hundertmal weniger
Ohne Messung ist das Gerät gefährlich.Unbekannt heißt weder gefährlich noch sicher

1. „Die Membran gibt PFAS ins Trinkwasser ab.“

Teilweise richtig. Entscheidend ist die Menge.

In Stresstests an Brennstoffzellen fanden Forschende im Ablaufwasser neben Fluorid auch kleine fluorierte Bruchstücke, vor allem Trifluoressigsäure (TFA), etwa ein Zehntel der Fluoridmenge. Die Aussage „aus der Membran kommt nie etwas“ wäre deshalb falsch, und wir machen sie auch nicht. Messungen an Haushaltsgeräten haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden. Unsere Beispielrechnung für eine Füllung des H2 Turbo mit der gemessenen Membranöffnung ergibt für TFA rund 0,23 µg pro Liter. Das ist etwa ein 250stel des Leitwerts des Umweltbundesamts von 60 µg pro Liter. Selbst wenn die Membran zehnmal mehr abgäbe als in den Studien, bliebe es ein 25stel. Rechnerisch verliert die Membran im Jahr weniger als 1 Prozent ihres Fluors.

Aus dem Alltag: Ein Radiergummi verliert bei jedem Radieren ein wenig. Wer nur ein paar Striche am Tag radiert, hat ihn trotzdem nach Jahren noch fast ganz in der Hand. Die Frage ist nie, ob etwas abgeht, sondern wie viel.

2. „Mit dem Wasserstoff atmet man PFAS ein.“

Nicht gemessen. Dass gelöste Stoffe verdampfen, ist unwahrscheinlich; ob feinste Tröpfchen sie mitnehmen, ist offen.

Das Polymer selbst verdampft nicht: Laut Hersteller beginnt die Zersetzung an Luft erst bei rund 280 °C, die Geräte arbeiten mit flüssigem Wasser weit darunter. Die bekannten Abbauprodukte Fluorid und TFA wurden in den Studien im Wasser gefunden, nicht im Gas. TFA ist eine sehr starke Säure und liegt im Wasser praktisch vollständig als Ion vor. Ionen verdampfen nicht. Offen ist, ob feinste Tröpfchen (Aerosol) Spuren davon mitnehmen, denn gelöste Stoffe können mit Tröpfchen transportiert werden. Die Inhalatoren haben einen Befeuchtungsbehälter, durch den das Gas perlt; ob und wie viel er zurückhält, wurde für unsere Geräte nicht untersucht. Veröffentlichte Messungen an Inhalatoren haben wir nicht gefunden; das EU-Projekt UPeM entwickelt die Messverfahren für Gase und Aerosole erst.

Aus dem Alltag: Über einem Topf mit gesalzenem Nudelwasser steigt Dampf auf. Der Dampf ist nicht salzig, das Salz bleibt im Topf. Spritzt es aber, landen kleine Salzwassertropfen auf dem Herd. Genau dieser Spritzer-Anteil ist der offene Punkt.

3. „Nafion ist dasselbe wie Teflon.“

Verwandt, aber nicht gleich.

Das Rückgrat von Nafion entspricht PTFE, dem Stoff hinter dem Markennamen Teflon. Nafion trägt zusätzlich Seitenketten mit Sulfonsäuregruppen. Sie nehmen Wasser auf und leiten Protonen, deshalb funktioniert die Membran überhaupt. Als Vergleich wird oft die Bratpfanne genannt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält PTFE-beschichtetes Geschirr bei sachgemäßem Gebrauch für unbedenklich. Verschluckte Teilchen einer zerkratzten Beschichtung werden nach BfR unverdaut ausgeschieden. Kritisch wird es beim Überhitzen der leeren Pfanne über etwa 360 °C. Eine Membran in Wasser erreicht solche Temperaturen nie. Übertragen lässt sich das aber nur begrenzt: In der Membran geht es nicht um Hitze, sondern um den chemischen Abbau bei der Elektrolyse, und Nafion verhält sich nicht wie PTFE. Die Umweltfrage bleibt bei beiden dieselbe: Herstellung und Entsorgung.

Aus dem Alltag: Geschwister haben denselben Nachnamen, aber nicht dieselben Eigenschaften. Wer die Pfanne kennt, weiß über die Membran einiges, aber nicht alles.

4. „Nafion ist ein PFAS, also so gefährlich wie PFOA und PFOS.“

Der erste Teil stimmt, der Schluss nicht.

Nach der Definition der OECD ist Nafion ein PFAS. Unter diesen Begriff fallen laut Umweltbundesamt aber über 10.000 Stoffe. PFOA und PFOS, die bekannten Problemstoffe im Grundwasser, sind kleine, wasserlösliche Moleküle, die sich im Körper anreichern. Nafion ist ein riesiges, wasserunlösliches Kettenmolekül. Die Europäische Chemikalienagentur stellt fest, dass solche Fluorpolymere die Kriterien für Mobilität nicht erfüllen. Ihre Hauptsorge gilt der Herstellung, der Verarbeitung und der Entsorgung. Richtig bleibt: Auch Nafion wird in der Umwelt kaum abgebaut. Deshalb gehört ein Altgerät nicht in den Hausmüll.

Aus dem Alltag: „Alkohol“ ist in der Chemie ein Sammelbegriff. Ethanol steckt im Wein, Methanol kann blind machen. Beide heißen Alkohol. Niemand würde daraus schließen, dass ein Glas Wein wie Methanol wirkt.

5. „Ewigkeitschemikalien reichern sich beim Trinken im Körper an.“

Das hängt stark vom Stoff ab: Bei einigen sind es Jahre, bei anderen Tage.

Für PFOS schätzt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Halbwertszeit im Menschen von etwa fünf Jahren, für PFOA zwei bis vier Jahre. Diese Stoffe reichern sich tatsächlich an. TFA, das wichtigste mögliche Abbauprodukt der Membran, verhält sich anders: Laut BfR wird sie unverändert und überwiegend über die Nieren ausgeschieden, die Halbwertszeit wird mit zwei bis drei Tagen angegeben. Fluorid wird zum Teil ausgeschieden, zum Teil in Knochen und Zähne eingebaut. Das feste Polymer ist ein riesiges Molekül und verhält sich anders als kleine PFAS; eine Aussage über eventuell abgeriebene Partikel lässt sich daraus für Geräte aber nicht ableiten. Eine kurze Halbwertszeit heißt auch nicht, dass TFA unbedenklich ist: Sie ist in der Umwelt langlebig, und der Risikoausschuss der ECHA hat vorgeschlagen, sie als fortpflanzungsgefährdend einzustufen. Es heißt aber, dass der Satz „PFAS bleiben für immer im Körper“ für TFA nicht stimmt.

Aus dem Alltag: Ob eine Badewanne vollläuft, hängt nicht nur am Zulauf, sondern auch am Abfluss. Bei PFOS ist der Abfluss fast zu. Bei TFA ist er weit offen.

6. „Geräte mit PFAS-freier Technik sind sicherer.“

Das hängt davon ab, was stattdessen eingebaut ist.

Manche Anbieter werben inzwischen mit einer „PFAS-freien“ Membran. „PFAS-frei“ sagt, was fehlt, nicht was drin ist. Fluorfreie Protonen-Membranen, etwa auf Kohlenwasserstoffbasis oder mit anorganischen Bestandteilen, werden in Forschungsprojekten entwickelt, zum Beispiel im EU-Projekt FASTCH2ANGE unter Beteiligung des Fraunhofer ISE. Sie sind noch nicht so lange erprobt wie PFSA-Membranen. Veröffentlichte Vergleichsmessungen des Trinkwassers aus Haushaltsgeräten haben wir für keine der beiden Bauarten gefunden. Wir sagen deshalb nicht, dass solche Geräte schlechter sind. Wir sagen: Ohne Datenblatt und Analyse lässt sich der Vorteil nicht prüfen. Manchmal bedeutet „ohne PFAS-Membran“ auch schlicht „ohne Membran“. Dazu der nächste Punkt.

Aus dem Alltag: „Fettfrei“ steht auch auf Gummibärchen, und es stimmt. Über den Zucker sagt es nichts.

7. „Am sichersten ist ein Gerät ganz ohne Membran.“

Nicht belegt. Die Membran hat eine Trennaufgabe, die bei Geräten ohne Membran fehlt.

Bei jeder Elektrolyse entstehen an zwei Elektroden verschiedene Stoffe: an der einen Wasserstoff, an der anderen Sauerstoff. Ist Chlorid im Wasser, wie in fast jedem Leitungswasser, kann an der Sauerstoffseite auch Chlor entstehen, das sich im Wasser zu Hypochlorit umsetzt. Je nach Elektrodenmaterial und Spannung können Ozon und Chlorat hinzukommen. Diese Chemie nutzt man in der Technik gezielt, etwa zur Desinfektion. Eine PEM-Membran trennt die beiden Seiten: Der Wasserstoff geht ins Trinkwasser, das Gas der Sauerstoffseite wird getrennt abgeführt. Ohne Trennung kann auch, was an der Sauerstoffseite entsteht, ins Trinkwasser gelangen. Wie viel davon entsteht, hängt vom Gerät, vom Strom und vom Wasser ab. Ein belastbarer Sicherheitsvergleich zwischen Geräten mit und ohne Membran liegt uns nicht vor, und unabhängige Messreihen für einfache Flaschen ohne Membran haben wir kaum gefunden. Ob ein bestimmtes Gerät Nebenprodukte ins Trinkwasser abgibt, muss an diesem Gerät gemessen werden.

Aus dem Alltag: Kochen ohne Dunstabzug: Was in der Pfanne entsteht, bleibt in der Küche. Riecht Wasser aus einem Elektrolysegerät auffällig chemisch, etwa nach Schwimmbad, trinken Sie es nicht. Umgekehrt gilt: Geruchloses Wasser ist damit nicht auf Nebenprodukte geprüft.

8. „Jede Membran ist Gift.“

Nein.

Membranen arbeiten an vielen Stellen, an denen es auf Reinheit ankommt: in Umkehrosmose-Anlagen für Trinkwasser, in Dialysegeräten, die jeden Tag das Blut von Patienten reinigen, und in Brennstoffzellen. Ob ein Material schadet, hängt davon ab, was in welcher Menge herauskommt. Dafür gibt es Grenz- und Leitwerte. Pauschal „Gift“ zu sagen, beantwortet diese Frage nicht. Bei der PEM-Membran ist die Antwort nach heutigem Wissen: Fluorid und kleine Mengen TFA, in unserer Rechnung weit unter den Werten.

Aus dem Alltag: Ein Kaffeefilter ist auch eine Membran. Ohne ihn hätten Sie den Kaffeesatz in der Tasse.

9. „Die EU verbietet bald alle PFAS, also auch Nafion. Das zeigt, wie gefährlich es ist.“

Noch nicht beschlossen. Und der Grund ist ein anderer, als viele denken.

Die EU berät eine Beschränkung fast aller PFAS. Der Risikoausschuss der ECHA (RAC) hat am 2. März 2026 seine Stellungnahme verabschiedet. Für Fluorpolymere in Brennstoffzellen und Elektrolyseuren schlägt er eine Übergangsfrist von 13,5 Jahren nach Inkrafttreten vor. Der zweite Ausschuss (SEAC) will seine endgültige Stellungnahme Ende 2026 vorlegen, danach entscheiden EU-Kommission und Mitgliedstaaten. Der Grund für die Beschränkung ist vor allem die Langlebigkeit in der Umwelt über den ganzen Lebensweg, mit Herstellung und Entsorgung. Ein Befund, dass ein fertiges Gerät seinen Nutzer vergiftet, steht nicht dahinter.

Aus dem Alltag: Das geplante Aus für neue Verbrennerautos heißt nicht, dass Ihr heutiges Auto Abgase in den Innenraum bläst. Es geht um die Summe, die in die Umwelt gelangt.

10. „Membranen aus China sind giftig.“

So pauschal nicht belegt.

Auch die meisten Alternativen zum Original von Chemours sind PFSA-Membranen aus derselben Stoffklasse. Wie gut eine Membran stabilisiert ist, wie viele Rückstände aus der Herstellung sie enthält und wie schnell sie altert, hängt vom einzelnen Hersteller und seiner Qualitätskontrolle ab. Das gilt für Werke in Asien wie in Europa und den USA. Unabhängige Vergleichsmessungen für Haushaltsgeräte haben wir nicht gefunden. Von welchem Membranhersteller die Membran im H2 Turbo stammt, klären wir mit dem Gerätehersteller.

Aus dem Alltag: Ob ein Brot gut ist, entscheidet der Bäcker, nicht das Land. Fragen Sie nach dem Datenblatt, nicht nach der Flagge.

11. „Die Membran fluoridiert das Wasser wie die Trinkwasserfluoridierung.“

Nein. Der Unterschied liegt beim Mehrhundertfachen.

Wo Trinkwasser fluoridiert wird, etwa in Irland oder in Teilen Englands, liegt der Zielwert bei rund 0,6 bis 1 Milligramm Fluorid pro Liter. Unsere Rechnung für eine Turbo-Füllung landet bei etwa 0,0023 mg pro Liter, also mehrere hundertmal darunter. Häufig wird dabei Hexafluorokieselsäure genannt. Sie wird zur Fluoridierung eingesetzt und zerfällt im Trinkwasser nach Einschätzung eines wissenschaftlichen Ausschusses der EU-Kommission rasch und praktisch vollständig zu Fluorid und Kieselsäure. In der Membran entsteht sie nicht. Mehr dazu in unserem Beitrag Fluorid ist nicht gleich Hexafluorokieselsäure.

Aus dem Alltag: Eine Prise Salz im Nudelwasser macht noch kein Meerwasser. Dieselbe Stoffart, eine völlig andere Menge.

12. „Solange es keine Messungen gibt, ist das Gerät gefährlich.“

Unbekannt heißt weder gefährlich noch sicher. Die Forderung nach Messungen ist berechtigt.

Richtig ist: Veröffentlichte gerätespezifische Messungen von PFAS im Trinkwasser oder im Gas kleiner Geräte haben wir bei unserer Recherche nicht gefunden, für unsere Geräte nicht und für die anderer Anbieter auch nicht. Daraus folgt keine Gefahr, sondern eine offene Frage. Bis zur Messung können wir nur abschätzen: mit dem oberen Rand der Messwerte aus der Fachliteratur und zusätzlich mit der zehnfachen Rate. Das Ergebnis steht oben in der Tabelle. Es zeigt eine Größenordnung, keine geprüfte Obergrenze. Sobald es Messungen gibt, ergänzen wir sie hier.

Aus dem Alltag: Wer vor dem Hausbau den Boden nicht untersucht hat, weiß nicht, ob er trägt. Er weiß aber auch nicht, dass er nicht trägt. Die Antwort ist das Bodengutachten, nicht die Angst und nicht das Wegsehen.

Was wir noch nicht wissen

  • Bei unserer Recherche haben wir keine veröffentlichten Messungen von PFAS im Produktwasser oder im Gas kleiner Booster und Inhalatoren gefunden, weder für unsere Geräte noch für die anderer Anbieter.
  • Beim H2 Turbo haben wir die Öffnung über der Membran gemessen, nicht die elektrochemisch aktive Fläche. Die Abbaurate unter Haushaltsbedingungen ist nicht gemessen.
  • Von welchem Hersteller die Membran im H2 Turbo stammt, klären wir mit dem Gerätehersteller.
  • Der Membranhersteller bittet in seinen Datenblättern bei medizinischen Anwendungen ausdrücklich um Rücksprache.
  • Die EU-Beschränkung ist noch nicht beschlossen. Wir verfolgen, wie es mit der vorgeschlagenen Frist für Elektrolyseure weitergeht und was das Projekt UPeM misst.

Klären ließe sich das mit vergleichenden Analysen: Ausgangswasser und Produktwasser an neuen und an gebrauchten Geräten, unter festgelegten Betriebsbedingungen, mit einer Stoffliste, die TFA einschließt. Bei Inhalatoren müsste zusätzlich das abgegebene Gas samt mitgeführten Tröpfchen untersucht werden. Solche Prüfberichte liegen uns derzeit nicht vor. Wenn wir neue Messdaten bekommen, ergänzen wir diesen Beitrag.

Checkliste: Was Sie jetzt tun können

Kanister mit bidestilliertem Wasser für Wasserstoff-Inhalatoren mit PEM-Zelle

Messungen an unseren Geräten gibt es nicht. Diese Punkte folgen aus den Anleitungen und aus dem, was die Studien über die Alterung der Membran zeigen. Die ersten sechs betreffen Geräte mit PEM-Membran, die letzten vier gelten für jedes Wasserstoffgerät und für Ihr Leitungswasser.

  1. Neue Geräte erst einweichen und spülen. In mehreren Studien war die Fluoridabgabe zu Beginn erhöht, unter anderem durch Rückstände aus der Herstellung. Als Vorsichtsmaßnahme empfehlen wir beim neuen H2 Turbo: Füllen Sie die Flasche mit warmem Wasser, lassen Sie sie eine halbe Stunde stehen und gießen Sie das Wasser weg. Gießen Sie danach auch die ersten zwei bis drei Füllungen nach dem Einschalten weg. Das ist unsere Vorsichtsempfehlung, keine geprüfte Prozedur: Dauer, Temperatur und Zahl der Füllungen sind nicht gemessen. Beachten Sie zusätzlich die Spülvorgaben der Anleitung.
  2. Tankwasser nach Anleitung wechseln. Beim Cavallo verlangt die Anleitung einen vollständigen Wechsel spätestens alle drei Monate, auch bei Nichtbenutzung, und einen Wechsel, wenn die Anzeige „Purewater“ rot leuchtet. Der H2K meldet „Change Water“ und überwacht die Wasserqualität mit einem TDS-Sensor. Über einzelne PFAS sagt dieser Sensor nichts aus.
  3. Nur Bidest-Wasser in Inhalatoren. Das schreiben die Anleitungen vor. Verunreinigungen im Wasser, etwa Metallionen, beschleunigen nach der Fachliteratur den chemischen Angriff auf PEM-Membranen.
  4. Vollentsalzungs-Patrone. Die Vollentsalzungs-Patrone für Cavallo, H2K und Inspirator entfernt laut Produktbeschreibung Kationen und Anionen aus dem Tankwasser und dient vor allem der Wasserqualität im Gerät. Eine Schutzwirkung gegen PFAS oder andere Abbauprodukte der Membran ist nicht untersucht und lässt sich daraus nicht ableiten.
  5. Befeuchterwasser nicht trinken und regelmäßig erneuern.
  6. Altgeräte zum Wertstoffhof. Elektrogeräte gehören ohnehin nicht in den Hausmüll. Bei der Verbrennung von Fluorpolymeren ohne Abgasreinigung entstehen laut Hersteller Fluorwasserstoff, in Laborversuchen außerdem kurzkettige PFAS. Die Abfallphase nennt die ECHA ausdrücklich als eine der Hauptsorgen.
  7. Beim Kauf nachfragen, bei jedem Anbieter. Welche Membran ist eingebaut (mit Datenblatt)? Wird das Gas der Sauerstoffseite getrennt abgeführt? Gibt es eine unabhängige Analyse des Produktwassers? Diese Fragen stellen wir auch unseren Lieferanten.
  8. Auf den Geruch achten. Riecht Wasser aus einem Elektrolysegerät auffällig chemisch, etwa nach Schwimmbad, trinken Sie es nicht und klären Sie die Ursache mit dem Hersteller. Der Geruch allein verrät weder den Stoff noch seine Herkunft, und geruchloses Wasser ist damit nicht geprüft.
  9. Das eigene Leitungswasser kennen. Die Analysewerte bekommen Sie bei Ihrem Wasserversorger. Seit Januar 2026 gilt dort der Grenzwert für die Summe von 20 PFAS. Wer es genau wissen will, lässt bei einem akkreditierten Labor messen und klärt vorher, welche Stoffe erfasst werden; TFA gehört nicht zu jedem PFAS-Paket.
  10. Bei Sorgen wegen Fluorid: In Deutschland wird Trinkwasser nicht fluoridiert. Wer trotzdem filtern möchte, braucht Umkehrosmose oder spezielle Fluoridfilter; normale Aktivkohle hält Fluorid kaum zurück. Details im Beitrag Fluorid ist nicht gleich Hexafluorokieselsäure.

Fazit

Die Membran ist ein PFAS. Sie löst sich nicht im Wasser auf, und das Polymer verdampft nicht. Durch die Elektrolyse altert sie, und in Stresstests entstehen dabei Fluorid und kleine fluorierte Bruchstücke. Unsere Beispielrechnung für den H2 Turbo, mit der nachgemessenen Öffnung über der Membran, landet unter ihren Annahmen für Fluorid und TFA weit unter den Grenz- und Leitwerten, auch bei zehnfacher Abgaberate. Diese Annahmen sind nicht am Gerät bestätigt. Gerätespezifische Messungen im Trinkwasser und im Inhalationsgas fehlen, für unsere Geräte und nach unserer Recherche auch für alle anderen. Die europäische Chemikalienbehörde sieht die Hauptsorge bei Fluorpolymeren in Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung.

Die meisten Behauptungen, die im Umlauf sind, werfen den festen Kunststoff und kleine, wasserlösliche PFAS in einen Topf. Trennt man beides, bleibt Folgendes: Es kommt etwas aus der Membran, nach heutigem Wissen Fluorid und wenig TFA, in unserer Rechnung weit unter den Grenz- und Leitwerten. Gemessen werden muss es trotzdem.

Haben Sie Fragen zu Ihrem Gerät? Rufen Sie uns an, werktags von 9 bis 18 Uhr.

Häufige Fragen

Ist Nafion dasselbe wie Teflon?

Nicht ganz. Das Rückgrat entspricht PTFE (Teflon). Nafion hat zusätzlich Seitenketten mit Sulfonsäuregruppen, die Wasser aufnehmen und Protonen leiten.

Gibt die Membran PFAS ab, wenn das Gerät nur herumsteht?

Nach Herstellerangaben enthält Nafion kein extrahierbares Material und wird von Süßwasser nicht angegriffen. Der in Studien beschriebene chemische Abbau läuft über reaktive Teilchen, die beim Betrieb entstehen. Messungen an unseren Geräten im Stillstand gibt es nicht.

Wie viel Fluorid steckt in einer Füllung des H2 Turbo?

Gemessen haben wir es nicht. Unsere Beispielrechnung mit dem oberen Literaturwert und der gemessenen Öffnung von 3,8 cm² ergibt rund 2,3 Mikrogramm pro Liter zusätzlich zu dem Fluorid, das schon im eingefüllten Wasser ist. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 1,5 Milligramm pro Liter, also etwa 650-mal höher. Meerwasser enthält rund 1,3 Milligramm pro Liter.

Ist das Fluorid aus der Membran dasselbe wie bei der Trinkwasserfluoridierung?

Das Fluorid-Ion ist chemisch dasselbe. Unterschiedlich sind Herkunft und Menge: Die Membran kann beim Altern Fluorid abgeben, nach unserer Rechnung mehrere hundertmal weniger, als fluoridiertes Trinkwasser enthält. Bei der Trinkwasserfluoridierung, die es in Deutschland nicht gibt, wird in manchen Ländern Hexafluorokieselsäure zugesetzt, die im Wasser zu Fluorid zerfällt. Diese Verbindung entsteht in der Membran nicht. Mehr dazu: Fluorid ist nicht gleich Hexafluorokieselsäure.

Atme ich mit einem Inhalator PFAS ein?

Das Polymer selbst verdampft nicht. Die bekannten Abbauprodukte sind wasserlöslich und wurden in Studien im Wasser gemessen. Ob Spuren mit feinsten Tröpfchen ins Gas gelangen, ist für Inhalatoren nicht gemessen. Halten Sie sich an die Vorgaben der Anleitung zu Bidest-Wasser und Wasserwechsel.

Gibt es PFAS-freie Membranen?

Membranen ohne Fluor, etwa auf Kohlenwasserstoffbasis, werden erforscht, zum Beispiel im EU-Projekt FASTCH2ANGE. Das Projekt UPeM bewertet unter anderem solche alternativen Materialien. Für Haushaltsgeräte fehlen veröffentlichte Vergleichsmessungen. Lassen Sie sich bei „PFAS-frei“ zeigen, welches Material stattdessen eingebaut ist und ob es überhaupt eine Membran gibt.

Kann ich mein Wasser auf PFAS testen lassen?

Ja, akkreditierte Labore messen PFAS im Wasser mit Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie. Erfasst werden immer nur die Stoffe auf der Liste des Labors; fragen Sie ausdrücklich nach TFA, wenn Sie das wissen wollen. Die Analysewerte Ihres Leitungswassers erfahren Sie bei Ihrem Wasserversorger. Seit Januar 2026 gilt dort der Grenzwert für die PFAS-20.

Muss ich mein Gerät jetzt austauschen?

Gerätespezifische Messungen gibt es nicht, deshalb können wir das nicht mit Messwerten beantworten. Nach den Studien und unserer Abschätzung sehen wir keinen Anlass dazu. Spülen Sie neue Geräte, wechseln Sie das Wasser wie in der Anleitung beschrieben und nutzen Sie in Inhalatoren nur Bidest-Wasser.

Quellen

  • Chemours: Nafion™ N115, N117, N1110, Product Bulletin P-12 (2016)
  • Chemours: Nafion™ Safety in Handling and Use, Technical Bulletin T-01 (2016), PDF
  • ECHA, Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC): Stellungnahme zum PFAS-Beschränkungsvorschlag, 2. März 2026, ECHA-Meldung
  • Richtlinie (EU) 2020/2184 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch, EUR-Lex
  • Umweltbundesamt: Neue Trinkwasserverordnung (PFAS-20 ab 12.01.2026, PFAS-4 ab 12.01.2028), UBA
  • Umweltbundesamt: FAQ Trifluoressigsäure (TFA), Stand 26.06.2026, UBA
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fluorid – ein wichtiger Baustein für die Zähne (Fragen und Antworten), BfR
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Fluorid in Mineral- und Quellwässern (2023), LGL
  • ATSDR/CDC: Toxicological Profile for Fluorides, Hydrogen Fluoride, and Fluorine, Kapitel 5 (Verwendung, u. a. Fluorkieselsäure in der Trinkwasserfluoridierung der USA), PDF
  • OECD (2021): Reconciling Terminology of the Universe of Per- and Polyfluoroalkyl Substances
  • Kuhnert E. et al. (2024): Fluoride emission rate analysis in proton exchange membrane water electrolyzer cells. Frontiers in Energy Research 12:1457310, doi
  • Yandrasits M. A. et al. (2021): Liquid Chromatography/Mass Spectrometry Analysis of Effluent Water from PFSA Membrane Fuel Cells Operated at OCV. J. Electrochem. Soc. 168:024517, doi
  • Sinha P., Tripathi B. (2025): Investigating Potential PFAS Emissions from Initial Electrolyzer Operation. Clean Energy and Sustainability 3(4), doi (ausgewertet: Zusammenfassung)
  • Feng M. et al. (2015): Characterization of the thermolysis products of Nafion membrane. Scientific Reports 5:9859, doi
  • Lohmann R. et al. (2020): Are Fluoropolymers Really of Low Concern for Human and Environmental Health and Separate from Other PFAS? Environ. Sci. Technol. 54:12820, doi
  • Kotlarz N. et al. (2020): Measurement of Novel, Drinking Water-Associated PFAS in Blood from Adults and Children in Wilmington, North Carolina. Environ. Health Perspect. 128:077005, doi
  • Fraunhofer CSP: Projekt UPeM, PFAS-Emissionen aus Elektrolyseuren und Brennstoffzellen (2026–2028), Projektseite
  • EFSA CONTAM Panel (2020): Risk to human health related to the presence of perfluoroalkyl substances in food. EFSA Journal 18(9):6223, Volltext
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Trifluoroacetic acid (TFA) in food – what are the health risks? (FAQ, Stand 29.07.2026), BfR
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Geschirr mit Antihaftbeschichtung aus PTFE, PDF
  • Europäische Kommission, Wissenschaftlicher Ausschuss SCHER: Critical review of any new evidence on the hazard profile, health effects, and human exposure to fluoride and the fluoridating agents of drinking water (2011), Zusammenfassung
  • Fraunhofer ISE: Projekt FASTCH2ANGE, PFAS-freie Membranen für die Elektrolyse, Projektseite
  • Pulmovolta® Cavallo 1000, Bedienungsanleitung (Stand 21.09.2024); Pulmovolta® H2K, Bedienungsanleitung
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