AQUACENTRUM

Misterwater Gegenartikel Basisches Wasser

Sandra P.: Von der Website www.misterwater.eu habe ich mir 3 „Geheimreports Wasser“ schicken lassen. Im dritten Teil spricht sich der Geheimreport massiv gegen das Trinken von basischem Aktivwasser aus.

Solche kostenlos verschickten Exklusivinformationen können mehrere Zwecke verfolgen wie Adressgewinnung von potentiellen Kunden, Vermeidung von Öffentlichkeit für verbotene Heilaussagen zu eigenen Produkten und ungestrafte Konkurrenzverleumdung. Die Website gehört der EM Wassertechnologie GmbH, die durch ihren Geschäftsführer Erich Meidert vertreten wird. In dem von Ihnen erwähnten Geheimreport 3 geht es um die Beurteilung von Wasserfiltern. Die Firmenphilosophie von Misterwater offenbart sich auf S. 32. Die Firma verkauft keine Filteranlagen von der Stange, sondern konfiguriert sie individuell aus verschiedenen Filterkomponenten nach dem Bedarf vor Ort.

Das tun allerdings Anbieter von Wasserionisierern auch. Ein optimales Trinkwasser braucht laut Misterwater:

1.    Sicherheit vor Keimen
2.    hohe Schwingungsenergie
3.    neutraler bis leicht basischer pH-Wert
4.    sauerstoffreich
5.    zellverfügbare leichte Mineralisierung
6.    höchste chemische Reinheit
7.    Freiheit von physikalischen Schadstoffinformationen

Dies wird ein Verfechter von basischem Aktivwasser natürlich korrigieren wollen. Schwingungsenergie ist ein wissenschaftlich nicht greifbarer Begriff, ebenso gibt es in flüssigem Wasser keine physikalischen Schadstoffinformationen außerhalb der Schadstoffe selbst, jedenfalls gibt es kein anerkanntes Physikbuch, das so etwas für möglich hält. Höchste chemische Reinheit würde die Abwesenheit auch von Mineralien und damit ein Gesundheitsrisiko bedeuten. Eine hohe zellverfügbare Mineralisierung wäre wesentlich besser als eine leichte. Ein deutlicher basischer pH-Wert und eine entsprechende mineralische Pufferung wäre wohl physiologisch sinnvoller, vor allem bei Alter und Krankheit. Basisches Aktivwasser ist sehr reich an molekularem Sauerstoff. Eine Sauerstoffanreicherung mit flüchtigem gasförmigen Sauerstoff ist daher überflüssig. Auf S. 33 seines Geheimreports spricht Meidert noch von Verbesserung des Redoxpotentials, gibt aber nicht an, wie das geschehen soll. Dies könne man auf der Internetseite erfahren. Dort sehen wir:

Die angebotenen Filtersysteme heißen „Futura mit Bio Energie“, „Futura mit Joana Energie“, „Cortesia mit Bio Energie“, „Direct Flow New Generation“, „Bio Energie“ bzw. „Joana Energie“ und kosten (Stand Juli 2013) zwischen 1595 € und 3199 € ohne Einbaukosten. Die Wechselfilterflatrate kostet zwischen 179 und 219 €. Neben einer Filteranlage mit Keimsperre und separatem Entnahmehahn enthalten die Systeme noch ein „Energiemodul zur feinstofflichen Aufbereitung im Sinne der Homöopathie“ sowie einen „Wasser-Alchimator für optimale Mineralisierung“.

Daneben bietet Misterwater noch Produkte namens „Frequator“ Frequenzträger zwischen 830 € und 11.400 € an, die in Form von Schellen um die Wasserleitung gelegt werden und Frequenzträger in Form eines mit dem Symbol „Blume des Lebens“ bemalten Untersetzers aus Aluminiumsilizium namens „Vivalisator“ für 100 € bis 209,25 €. Zitate: „Der Vivalisator kann Ihren Nahrungsmitteln und Getränken in Sekundenschnelle ihre Lebendigkeit zurückgeben, ihre Haltbarkeit verlängern und sie zu einem intensiven Geschmackserlebnis machen.“ „Er überträgt die auf ihm gespeicherten natürlichen und vitalisierenden Informationen auf alle Getränke und Lebensmittel, die mit ihm in Berührung kommen.“ Da dies wohl den meisten etwas spanisch vorkommt, die sich nicht auf Esoterikmessen tummeln, steht klein gedruckt noch dort, was den Tatsachen entspricht: „dass die Wirkung des Vivalisators nach naturwissenschaftlichen Kriterien nicht messbar ist.“ Dreist ist dennoch die Behauptung „Lebensmittel können wieder mehr Biophotonen speichern“, denn Biophotonen sind sehr wohl naturwissenschaftlich messbar. Eine solche Messung legt Misterwater für den Vivalisator allerdings gar nicht vor. (Quelle: http://misterwater.eu/datenblaetter/Vivalisator.pdf – Alle Angaben Stand 2013 – die Websiten von Misterwater wandern ständig. Außerdem bietet er inzwischen auch Zusatzpatronen zu seinen Anlagen an, die unter dem Stichwort —> chemische Wasserionisierer und –> Umkehrosmose näher von mir beschrieben werden.)

Auf der website http://www.misterwater.eu/allgemein/so-wird-aus-einer- trueben-bruehe-klares-wasser.html wird der Einsatz einer z.B. bei Dialysegeräten üblichen Feinstfiltrierung beschrieben und dann ausgeführt: „Das erzeugte Wasser ist in seiner Reinheit nur mit wenigen natürlichen Quellen zu vergleichen.“ Ich behaupte dagegen. dass keine einzige natürliche Quelle ein solches technisch reines Wasser erzeugt. Wozu auch?

Die „feinstoffliche Aufbereitung“ erfolgt nach Theorien von Wilhelm Reich, Viktor Schauberger und George Lakhovsky, dokumentiert durch Wasserkristallfotos im Stil von Masaru —> Emoto. Wasserkristalle gibt es zwar nicht – sie heißen in Wirklichkeit Eiskristalle – aber dann könnte man ja auf die Idee kommen, dass Eis eben etwas ganz anderes als Trinkwasser ist. Zur näheren Erläuterung lesen Sie bitte unter dem Artikelstichwort —> Töth, Ewald. Zum Glück fehlt auch hier nicht der sachliche Hinweis, dass keine dieser Aufbereitungsmethoden wissenschaftlich messbare Wirkungen zeitigt.

Auf der Seite http://misterwater.eu/verwirbelung im alchimator findet man, wie das Redoxpotential des Wassers mit einem Gerät namens Alchimator verändert werden soll. Dieser Alchimator ist ein Gerät, in dem Wasser trichterförmig verwirbelt wird, ähnlich einem Gerät namens —> Twister, das wir an anderer Stelle beschrieben haben. Es sieht aus wie ein Haushaltsmixer, der ja Wasser ebenso verwirbeln kann. Leistungszahlen wie Umdrehungen/Minute etc. werden nicht genannt. Durch die Verwirbelung bilden sich angeblich hexagonale Strukturen, die aus 6 symmetrisch angeordneten Wassermolekülen bestehen. Darüber behauptet Misterwater: „und genau diese Strukturen sind es, die am besten durch die Wasserkanäle der Zellen passen.“ (S. 11). Dies ist ein Märchen. Bezaubert von Masaru —> Emotos hübschen 6-eckigen Eiskristallfotos, scheint der Verfasser völlig zu übersehen, dass solche 6er-Cluster, die ein Zeichen von sehr kaltem Wasser sind, für Wasserkanäle von Zellen viel zu groß wären.

Die Wasserkanäle, die Misterwater meint, sogenannte Aquaporine, sind mit 0,3 Nanometern so fein, dass nur einzelne Wassermoleküle passieren können. Sie geben —> Wasserclustern überhaupt keine Chance und lösen jegliche Wasserstoffbrückenbindungen im Wasser auf, um die Wassermoleküle einzeln und in einem elektromagnetischen Feld ausgerichtet in die Zelle zu schleusen.

Würden noch Wasserstoffbrückenbindungen existieren, käme es zum H-Hopping (Grotthuß-Effekt) und die Zelle würde versauern. Keine Sorge, solange Sie noch ungefähr 370 C Körpertemperatur haben, laufen Sie nicht Gefahr, dass das Wasser, das in Ihre Zellen strömt, friert und sie sprengt, wie es hexagonales Wasser tun würde.

Auf S. 23 heißt es dann: „Der Alchimator liefert ein neutrales bis basisches Wasser, das trotzdem weich ist. Die Mineralien, die das Wasser während des Alchimierens durch den Mineralienring aufgenommen hat, sind nicht groß und unverdaulich wie Mineralien aus Leitungs-, Mineral- oder ionisiertem Wasser, sondern wegen der Durchwanderung des Wirbels in hohen Geschwindigkeiten klein, lebendig und energiereich.“ Der Wasserwirbler fügt dem Wasser also neben der Wirbelbewegung über einen Mineralring auch noch Mineralien zu. Misterwater gibt allerdings nicht an, um welche Mineralien es sich dabei handelt und vor allem, warum diese „nicht groß und unverdaulich“ sein sollen wie „Mineralien aus Leitungs-, Mineral- oder ionisiertem Wasser“. Eigentlich möchte man doch eher glauben, dass Wasser, das schon länger als die 6-8 Minuten im Wirbler an der Auflösung von Mineralien in Anionen und Kationen gearbeitet hat – natürliches Wasser hat dafür Wochen bis Jahrmillionen Zeit gehabt – eher wenige Mineralien besitzt, denn bis zur vollständigen Auflösung von Mineralien in Wasser dauert es schon eine erhebliche Zeit. Wieso die einen Mineralien aber „unverdaulich“ sein sollen, die anderen nicht, gibt Misterwater nicht an. Mineralien sind definitionsgemäß anorganische Materie und es macht überhaupt keinen Sinn, in diesem Zusammenhang von Unverdaulichkeit zu sprechen.

Auf S.19 spricht er in diesem Zusammenhang von Chelatierung und meint, mit Bioverfügbarkeit sei die Chelatierung von Mineralien gemeint. Chelatierung ist aber eine Methode, nichtwasserlösliche Mineralien, z.B. Schwermetalle, wasserlöslich zu machen. Alkalische und erdalkalische Mineralien sind dagegen in der Regel vollständig wasserlöslich und liegen daher in ionisierter Form im Wasser vor. Sie müssen keineswegs chelatiert werden. Sie sind bereits maximal bioverfügbar, weil sie in ionisierter Form vorliegen!

Die meiste Fachliteratur dazu ist in englischer Sprache. Es gibt jedoch einen deutschsprachigen Artikel dazu: Gundermann G, Gutenbrunner C, Karagülle O., Eignen sich Heil- und Mineralwässer zur Mineralstoffsubstitution? Ernährung & Medizin 2004; 19(2): 63-68. Das Ergebnis ist wie erwartet: Sowohl Calcium (bis zu einer Konzentration von 500 mg/l) als auch Magnesium können gut resorbiert werden und einen bestehenden Mangel ausgleichen; das Gleiche gilt für Wässer mit Kupfer, Zink und/oder Kobalt. Studien haben gezeigt, dass calciumreiches Mineralwasser die Knochendichte von postmenopausalen Patientinnen mit Osteoporose signifikant ansteigen lässt. Ähnliches gilt nach der Studie für Magnesium: Bei Migränepatienten mit Magnesiumdefizit wird der Mangel durch ein Mineralwasser mit einem Magnesiumgehalt von 110 mg/l ausgeglichen. Nach Ansicht der Autoren sind mineralstoffreiche Heil- und Mineralwässer zum Ausgleich verschiedener Mineralstoffmangelsituationen geeignet.

Eine belgische Arbeitsgruppe geht sogar von einer höheren Bioverfügbarkeit aus, wenn das Magnesium aus Mineral- wasser stammt und nicht aus fester Nahrung. (Verhas M, de la Guéronnière V, Grognet JM, Paternot J, Hermanne A, Van den Winkel P, Gheldof R, Martin P, Fantino M, Rayssigu- ier Y., Magnesium bioavailability from mineral water. A study in adult men Eur J Clin Nutr. 2002 May;56(5):442-7.

In dasselbe Horn bläst eine schwedische Forschungsgruppe: Rubenowitz E, Axelsson G, Rylander R. (Magnesium in drinking water and body magnesium status measured using an oral loading test. Scand J Clin Lab Invest. 1998 Aug;58(5):423-8.).

Hier wird die theoretische Überlegung einer besseren Resorption von in Wasser gelöstem Magnesium im Vergleich zu dem Magnesium aus festen Nahrungsmitteln dargestellt. Die Forscher fanden schon nach Zugabe geringer Extra-Mengen von Magnesium zum Trinkwasser (insgesamt 25,55 mg Mg/l Wasser) eine gute Resorption des Wassermagnesiums, die über der des Nahrungsmagnesiums lag.

Den Nachweis, dass Misterwater-Alchimatorwasser wenigstens sämtliche Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt, (http://misterwater.eu/warum_misterwater.html ) liefert Misterwater nicht. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass in das vorher ultrafiltrierte Wasser durch die Verwirbelung mit dem Mineralienring kontinuierlich so viele Mineralien aufgenommen werden wie zur Erreichung der Trinkwassernorm erforderlich wären.

Wie viele Mineralien lösen sich, wenn der Wirbler des Alchimator 2 Minuten läuft, was ist bei 8 Minuten Betrieb zu erwarten? Da sich Mineralien unterschiedlich schnell in Wasser lösen: Welche werden zuerst verbraucht, welche zuletzt? Ist der Alchimator mit seinem Mineralienring verkeimungssicher? Wie wird er der Alchimator keimfrei gehalten? Misterwater bleibt die Antworten auf diese Fragen schuldig.

Sie haben nun einiges über die Grundlagen des Angebots von Misterwater erfahren. Weder die Mikrofiltration noch die Verwirbelung sind neu. Wasservitalisierungen durch esoterische Informationsübertragung haben lediglich Unterhaltungswert und Märchencharakter. Man kann zwar theoretisch binäre und analoge Informationen über Wasser übertragen, sie für sehr kurze Zeitabstände sogar in Wasserstoffbrückenbindungen speichern, aber definitiv nicht unter den Rahmenbedingungen von Trinkwasser.

Auch Nachmineralisierungen für hochfiltriertes Wasser gibt es wie Sand am Meer. Auf der folgenden Website von Misterwater wird aber ionisiertes basisches Wasser als schädlich bezeichnet: (Stand 28.7..2013) http://www.misterwater.eu/datenblaetter/ionisiertes_basisches_wasser_schaedlich.pdf. Die dort angeführten Argumente sollen zur Misterwater-Alchimie hinführen, sind aber polemisch, irrig und in der Hauptsache auf einem magischen Weltverständnis beruhend.

Neben dem Bild eines verzweifelt blickenden Mannes, der auf der Toillette sitzt, schreibt Misterwater: „Die japanische Gesundheitsbehörde, die vor kurzem noch basisches Wasser aus Wasserionisierungsgeräten zum Trinken empfahl, ist mittlerweile von dieser Empfehlung abgerückt, nachdem viele Magen-Darm Probleme durch das Trinken dieses künstlichen und extrem behandelten Wassers auftraten.“ Das ist in vielerlei Hinsicht unwahr. Die japanische Gesundheitsbehörde hat niemals das Trinken von basischem Aktivwasser empfohlen, dies wäre ja eine höchst parteiliche Stellungnahme gegenüber der konkurrierenden Pharmaindustrie. Sie hat es aber nach ausgiebiger Sicherheitsprüfung zur Behandlung von Magen-Darmbeschwerden zugelassen, also erlaubt, und nicht etwa empfohlen. (Quelle: Bulletin of the Monitoring and Guidance Dept. of the Japanese Ministry of Health and Welfare, Pharmaceutical Monitoring Vol. 57, issued on October 19, 1992)

  • Dieses Wasser zur medizinischen Behandlung, für die auch in Japan immer noch Ärzte zuständig sind, muss nach einer weiteren Verordnung mit Geräten von einem zertifizierten Medizingerätehersteller hergestellt werden. Deswegen haben die meisten Herstellerfirmen von Wasserionisierern zumindest in Japan und Korea entsprechende Zertifikate und produzieren die Geräte nach vorgegebenen Normen zum Verbraucherschutz. Zur Zulassungsgeschichte von Wasserionisierern in Japan siehe: http://www.3aaa.gr.jp/english/alkali/hs.html oder in meinem Buch „Aktiviertes Wasser – Eine Erfindung mit außergewöhnlichem Potential“. In Deutschland wurde Aktivwasser unter dem Namen Hydropuryl® übrigens bereits 1938 in Gehes Codex der Arzneimittelspezialitäten verzeichnet.

FAQ Misterwater

  • Das Hydropuryl®-Wasser gab es bis in die 80er Jahre nicht nur als neutrales und entmineralisiertes, sondern auch als saures und alkalisches (basisches) Aktivwasser aus der Fabrik des Erfinders Alfons Natterer. Seine Wirkung war lange in Deutschland grundsätzlich untersucht und bekannt, bevor sich sowjetische japanische und koreanische Forscher des Themas in gründlicherer Weise annahmen. Lediglich in den USA fand bis heute keine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der deutschen Erfindung statt und das Aktivwasser fand nur bei dem spagyrischen Mediziner Fra Albertus Anklang, der schon in den 60er Jahren Kontakt zu Alfons Natterer suchte.

FAQ Elektrolyt Wasser

Der Misterwater-Mann, der mit offensichtlicher Verstopfung auf der Toilette sitzt, ist mir übrigens durchaus schon so ähnlich begegnet. Es war ein Mann, der seine Verstopfung seit 20 Jahren mithilfe von Flohsamen selbst behandelt hatte. Als er anfing, basisches Aktivwasser zu trinken und die Flohsamen gewohnheitsmäßig weiter einnahm, bekam er eine dramatische Verstopfung, weil das basische Aktivwasser die Flohsamen viel stärker zum Aufquellen brachte als normales Wasser es kann. Was lernen wir daraus? Selbstbehandlung von chronischen Krankheiten schafft gelegentlich auch Probleme. Wenn man krank ist, sollte man einen Arzt seines Vertrauens fragen, ob er basisches Wasser als Behandlungsoption in Erwägung zieht.

Misterwater greift dann die falschen Aussagen mancher Verkäufer von Wasserionisierern auf, die behaupten, basisches Aktivwasser würde die Übersäuerung des Magens bekämpfen. Dass dies eine falsche Behauptung ist, habe ich an anderer Stelle dargelegt. —> Roberts, Jan. Fest steht: Basisches Aktivwasser blockiert die Verdauung nicht.

Auf S. 3 wiederholt Misterwater das Märchen von der basisch wirkenden Zitrone und fantasiert im Trend der Esoterik-Szene von organischen Mineralien. Auf S. 4 spielt Misterwater mit dem Begriff Chelatierung. Chelatierung bedeutet, wasserunlösliche Substanzen mit bestimmten Chemikalien wasserlöslich zu machen. Mineralstoffe müssen zur Aufnahme in den Körper aber nicht wasserlöslich gemacht werden, da sie es von vorne herein bereits sind. Auch die Mineralien aus unserer organischen Nahrung werden nicht durch Chelatierung, sondern mittels Wasser aus der Nahrung gelöst. Im Wasser sind Mineralien am leichtesten und ohne Verdauungsaufwand aufnehmbar, weil Wasser der Mineralientransporter überhaupt ist. Wenn Misterwater also (S. 3) schreibt: „Der Mensch ist vom Verdauungssystem her darauf ausgelegt, Mineralien aus seiner Nahrung zu beziehen statt aus seinem Trinkwasser“, kann man das einfach nur als absurd bezeichnen.

Auf S. 4/5 präsentiert Misterwater chemische Fachbegriffe: „In diesem alkalischen Wasser finden sich Verbindungen wie Kalziumhydroxid (= Kalk … dessen Haupteinsatzgebiet ist normalerweise die Zubereitung von Mörtel im Bauwesen oder wegen seiner ätzenden Wirkung als Fungizid im Obstanbau …), Natriumhydroxid (Ätznatron), Kaliumhydroxid (Ätzkali), Magnesiumhydroxid (wird medizinisch zur Neutralisation der Magensäure und als Abführmittel eingesetzt)“. Da staunt der Laie, doch den Fachmann wundert es nicht, denn diese Substanzen befinden sich in beinahe jedem Trinkwasser. Allerdings hat Misterwater vergessen, das Kürzel „(aq)“ hinzuzufügen, mit dem man darauf hinweist, dass diese Substanzen nicht als Salz, sondern in wässriger Lösung vorliegen und damit völlig normal und ungefährlich, ja sogar gesundheitsfördernd sind. Unterschlagen wird dagegen das Hauptmerkmal von basischem Aktivwasser, nämlich das Vorhandensein eines anormalen Redoxpotentials außerhalb des thermodynamischen Gleichgewichts. —> Relaxationszeit.

Ätznatron und Ätzkali etwa, so Misterwaters starke Aussage auf S. 5, neigen „dazu, sich in Arterien, Geweben und Gelenken abzulagern“. Eine wahrhaft interessante Pathologie, die geradezu nach einem Drehbuchautor á la CSI… schreit, aber mit der Physiologie des Menschen nichts zu tun hat.

Ab S. 6 ist von saft- und kraftlosem Wasser anstatt von dessen Elektronenreichtum die Rede. Dieses Wasser könne aber Herzmuskelschädigungen hervorrufen. Den Hintergrund erkläre ich unter dem Stichwort —> Roberts.

  • Unverständlich ist der Hinweis auf Dr. Hidemitsu Hayashi, einen japanischen Arzt und Wasserforscher, der gerade durch seine anschaulichen Artikel sehr viel zur Verbreitung basischen Aktivwassers beigetragen hat. Seine Arbeiten wurden in Deutschland von Dietmar Ferger aufgegriffen und zuletzt in seinem Buch „Jungbrunnenwasser“ (2011) ausführlich dargestellt.
    Im Hinblick auf die Erkenntnis, dass Wasserstoff eine große Rolle bei der Heilwirkung von basischem Aktivwasser und einigen natürlichen Quellen spielt, hat Dr. Hayashi einen Wasserstoff-Stick auf der Basis von metallischem Magnesium entwickelt, der Wasser mit Wasserstoffbläschen anreichert, die das Redoxpotential im Rahmen der Stellung von Magnesium in der Redoxreihe der Metalle senken. (—> Chemische Wasserionisierung). Und: –> HRW. In keiner Publikation Hayashis aber kann ich Misterwaters Behauptung nachvollziehen, Hayashi habe sich von der Ionisation abgewandt. Die Wasserstoffanreicherung erfolgt ohnehin bei der Elektrolyse, ist also im Grunde überflüssig. Allerdings kann man Defizite insbesondere beim japanischen Weichwasser, mit Hayashis Stick vielleicht ausgleichen. Besser wäre allerdings eine Anreicherung mit —> Calcium.

FAQ Misterwater Jungbrunnenwasser

Als Verfechter des ausschließlich der Umkehrosmoseszene bekannten Franzosen L. Vincent werden dessen nachweislich unhaltbare Thesen zur Wasserhärte von Misterwater nun mit einer Theorie über die Störung der „zellulären Redoxsignalmoleküle“ verbunden. Diese beruht auf dem Strukturvertrieb ASEATM erfundenen und in der Wissenschaft gänzlich unbekannten Begriff „Redoxsignalmoleküle“.

Immerhin berechnet Misterwater den angeblich von Vincent eingeführten rH-Wert mit 4,7 noch richtig und weist basischem Aktivwasser damit stark reduzierende Eigenschaften zu, die es ja auch unbestritten hat. Dass aber ebenso wie zwischen Säuren und Basen auch zwischen Oxidantien und Antioxidantien ein Gleichgewicht bestehen muss, wird ohnehin niemand ernsthaft anzweifeln. Zweifelhaft ist höchstens, ob bei unserem heutigen Leben auch mit basischem antioxidativem Aktivwasser überhaupt nur eine theoretische Gefahr bestehen könnte, dass wir zu wenig Oxidantien im Körper haben.

Punkt 8 auf Seite 9 ist angesichts von Misterwaters Filterproduktpalette natürlich kein Wunder. Die Innenfilter von Wasserionisierern seien bei über 2000 potentiellen Schadstoffen im Wasser völlig ungenügend. Das ist erstens reine Panikmache, denn potentielle Schadstoffe schaden nicht, sondern nur wirkliche, und die werden in Deutschland und Mitteleuropa so kontrolliert, wie nirgendwo sonst auf der Welt. Zweitens kann man bei realem Filterbedarf jederzeit einen Spezialfilter wählen oder davorschalten. Das Vorfilterthema ist also für eine Kritik an Wasserionisierern völlig ungeeignet. Näheres und die wahren Filterprobleme habe ich unter dem Stichwort —> Filter beschrieben. Völlig bauernfängerisch ist Misterwaters Satz: „Genau wie beim Aktivkohlefilter sind auch bei Ionisierungsgeräten die ppm-Werte zu hoch.“ Nur kurz: Es gibt keine zu hohen ppm-Werte. Die Langfassung unter dem Stichwort —> Leitwert. Die fälschliche Gleichsetzung von ppm- Werten mit Schadstoffen ist ein typisches Merkmal von Verkäufern von —> Umkehrosmoseanlagen.

Misterwaters Aussagen sind in deutscher Sprache sicherlich die heftigsten Attacken auf basisches Aktivwasser. Auf englisch gibt es Seiten, die als Vorbild gedient haben mögen, denn viele, die bisher Verkäufer von Umkehrosmoseanlagen und ähnlichem waren, sind inzwischen umgeschwenkt und verkaufen Wasserionisierer. Es tobt auch ein Kampf zwischen den Herstellern der so unterschiedlichen Systeme. Da werden oft die Ärmel hoch gekrempelt. Aber noch nie habe ich eine Argumentation gesehen, die mit einem Mann mit heruntergelassener Hose auf dem Klo beginnt.

So weit zu Ihrer Frage aus dem Jahr 2015. Inzwischen tritt Misterwater vor allem im Internetfernsehen immer noch gegen Wasserionisierer auf, doch seine alchimistischen Produkte sind offenbar aus seinem Blickpunkt verschwunden. Stattdessen produziert er sich als eine Art Apostel des molekularen Wasserstoffs (–> HRW; –>Wasserstoffmessung) und postet: Basisches Aktivwasser sei Postkutschenzeitalter. Er selbst löst die Frage in einem öffentlichen Video: „Erich Meidert: Kann ich das „Wunderwasser“ Lourdes messbar selbst herstellen?“, indem einen elektrischen Wasserstoffgenerator aus Korea mit dem bezeichnenden Namen „Lourdes“ anbietet. So hüpft der Misterwater schnell vom alchimistischen in den katholischen Topf.

Obwohl außer Frage steht, dass in Lourdes Wasser zwar vielleicht ein Glaubensgeheimnis steckt, ist doch eines ganz sicher: Molekularer Wasserstoff ist in Wasser aus der Quelle von Lourdes noch nie in nennenswerter Menge gemessen worden. Es ist also wieder die gewohnte Bauernfängerei. Im Prinzip begrüße ich es, dass Misterwater jetzt wenigstens Wasserstoffgeneratoren anbietet. Aber warum muss man mit der Hoffnung gläubiger kranker Menschen, den weltberühmten geheilten Rollstuhlfahrern von Lourdes, so ein billiges Geschäft machen? Wobei „billig“ nicht das richtige Wort für Misterwaters Propaganda ist: Wenn man sich die Messwerte des Lourdes ansieht, kann man sich aber über den Preis des „Lourdes“ nur wundern.

Der Lourdes erreicht bei 1 Liter Leitungswasser München (TWM) in 30 Minuten gerade mal 1000 ppb (1,0 ppm) gelösten Wasserstoff. Bis die Blasen sich aber in dem Plastikschwimmer fangen, sind sie sehr groß geworden und lösen sich schlecht im Wasser. Daran ändert auch das Diffusionsgitter am Eingang des Wassertopfs nichts. Das Wasser bleibt im pH-Wert unverändert grün. Das Redoxpotential  sinkt auf (-) 523 mV (CSE). Warum dies nichts über den Wasserstoffgehalt aussagt, lesen Sie bitte unter dem Stichwort –> „Redoxpotential“ auf Seite 289.

Neben den zu großen Wasserstoffblasen ist der Grund für das schlechte Abschneiden des Lourdes seine nicht druckdichte Konstruktion. Letztlich ist das Gerät nicht dichter als ein einfacher „Topfionisierer“ auf Seite 322, der auch kaum Wasserstoff aufbaut und nur das Redoxpotential senkt. Der Schwimmer aus Plastik (4) verhindert nämlich das Ausgasen des Wasserstoffs während der Produktionsphase überhaupt nicht effektiv. So weiß sich Misterwater nicht anders zu helfen als die Messmethode mit den H blue® Tropfen zu kritisieren. Stattdessen 2 verwendet er ein Fake-Messgerät von Trustlex. Mehr dazu unter  —> Wasserstoff-Messung. So werden also nicht nur die Wundergläubigen von Lourdes mit falschen Informationen in die Irre geführt, sondern die Faktenfälschung wird durch Fake-Messmethoden noch dreist weiter geführt.

Andererseits muss man einräumen, dass Misterwater nicht der einzige ist, der mit dem Namen Lourdes Geschäfte machen will: In einer Werbung für den Beutelwasserhersteller Izumio® heißt es sogar, dieses Wunderwasser habe 3500 mal so viel Wasserstoff wie Lourdes. „IZUMIO – contains 3500 times more hydrogen than Lourdes“.

Das ist zumindest nicht übertrieben. Denn 3500 mal „Fast nichts“ ist leicht zu erreichen. Auch hier wird der Glaube der Lourdes Pilger buchstäblich verhöhnt.

Auch durch oftmalige Behauptung wird es aber nicht war, dass das Wasser aus Lourdes durch einen besonderen Wasserstoffgehalt gekennzeichnet ist. So hat also auch in der Wasserbranche das Zeitalter der „alternativen Fakten“ (= dreiste Lügen) begonnen.

Auszug aus dem Buch von Karl Heinz Asenbaum: „Elektroaktiviertes Wasser – Eine Erfindung mit außergewöhnlichem Potential. Wasserionisierer von A – Z“
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